Wir leben in einem modernen Verwaltungsstaat. Die Verwaltung ordnet und gestaltet Gesellschaft sowie Politik, bereitet Regierungsentscheidungen vor, setzt sie um und greift damit tief in unser Leben ein. Während des gesamten 20. Jahrhunderts war sie ein Fundament deutscher Staatlichkeit. Denn auch wenn sie nicht unabhängig agieren konnte, besaß sie eine zentrale und häufig unterschätzte Funktion für das gesamte Gemeinwesen. Doch wie genau funktionierte sie? Und worin unterschied sie sich angesichts der tiefgreifenden politischen Systembrüche in Deutschland im 20. Jahrhundert? Was waren also die Besonderheiten der Verwaltung in der Weimarer Republik, der NS-Diktatur, der Bundesrepublik und der DDR? Frieder Günther untersucht die deutschen Innenministerien und stellt dabei ihre Verwaltungskultur in den Mittelpunkt. Während auf den ersten Blick Kontinuitäten etwa im Hinblick auf den Aufbau, die Bezeichnungen und die Kompetenzen überwiegen, treten bei genauerer Betrachtung deutliche Unterschiede beim Personal, beim Selbstverständnis, bei den internen Abläufen und bei der Funktion hervor. Besonders drastisch unterschied sich die DDR von der rechtsstaatlichen Verwaltung der Weimarer Republik und der Bundesrepublik, während die nationalsozialistische Verwaltung eine Zwischenstellung einnahm.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2025
Ein phänomenaler Beitrag zur vergleichenden Institutionenforschung liegt Rezensent Bernhard Löffler hier vor. Frieder Günther widmet sich darin vier Innenministerien - dem der Weimarer Republik, dem des NS-Staats, dem der BRD und dem der DDR, wobei auch historische Kontinuitäten bis zurück ins Kaiserreich berücksichtigt werden. Methodisch wendet sich Günther laut Löffler nicht nur den normativen Grundlagen der Ministerien zu, sondern, im Sinne der modernen Verwaltungskulturforschung, auch informellen Vorgängen und dem behördlichen Selbstverständnis, außerdem bezieht er sich auf Niklas Luhmanns organisationssoziologische Überlegungen zur zentralen Rolle von Institutionen im modernen Staatswesen. Entlang des weitgehend chronologisch gebauten Buchs unternimmt Löffler einen Durchgang durch die vier deutschen Staaten, tatsächlich zeigt sich, dass es viele Kontinuitäten gibt, auch das NS-Innenministerium funktioniert im Rahmen des Führerstaates oft ähnlich wie seine demokratischen Pendants, lediglich das mit wenig Machtfülle ausgestattete DDR-Innenministerium bildet eine Ausnahme. Ein starkes Buch ist das, lobt abschließend der Rezensent, der sich in seiner Annahme bestätigt sieht, dass die Institutionenforschung ein reichhaltiges Feld ist.
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