Christian Bommarius

Im Rausch des Aufruhrs

Deutschland 1923
Cover: Im Rausch des Aufruhrs
Aufbau Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783423290043
Gebunden, 352 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

1923 ist das Jahr der Hyperinflation, in der Angestellte die Geldscheine eines Wochenlohns mit der Schubkarre transportierten. 1923 ist das Jahr der Besetzung des Ruhrgebiets und einer heftigen Streikwelle. 1923 ist das Jahr von blutig niedergeschlagenen kommunistischen und nationalsozialistischen Aufstandsversuchen. Und es ist das Jahr radikaler Gegensätze zwischen bitterer Armut einerseits und einer orchideenhaft blühenden Unterhaltungskultur.1923 ist in seiner Ambivalenz Ende der Nachkriegszeit und Auftakt zu den Goldenen Zwanzigerjahren der Weimarer Republik. Christian Bommarius setzt das Panorama eines Jahres der Extreme durch eine Vielzahl meisterhaft erzählter Geschichten und Porträts zusammen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.05.2022

Rezensent Arno Widmann freut sich sichtlich über das Buch seines Kollegen Christian Bommarius. Wie der Autor das Jahr 1923 lebendig werden lässt, durch Kabinettsprotokolle, Tagebücher, Briefe, Zeitungstexte und Erinnerungen, findet Widmann überzeugend. Der Leser erfährt laut Widmann anhand von Themenblöcken (Inflation, Klassenkampf, Geografie), wie zerrissen Deutschland damals war. Widmann staunt auch über die Vielfalt des Lebens, die der Autor anhand von Einzelbiografien (Kafka, Kaiser Wilhelm, Hitler, Anita Berber) zu erfassen vermag. Hilfreich findet er die informativen Einleitungen des Autors. Erstaunlich aber ist vor allem die große Stimmenvielfalt, meint Widmann.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.04.2022

Rezensentin Annette Wilmes mag mitunter kaum glauben, dass es sich nicht um Fiktion handelt, wenn sie Christian Bommarius in zwölf Kapiteln durch das Jahr 1923 folgt. So anschaulich, rasant und kenntnisreich erzählt ihr der Journalist und Jurist von Hyperinflation, Armut, Hitlerputsch, aber auch dem Beginn der Goldenen Zwanziger, dass es der Kritikerin den Atem verschlägt. Basierend auf der Sichtung von Zeitungen, Autobiografien und Tagebüchern in Archiven berichtet ihr der Autor etwa von dem Schriftsteller Maximilian Bern, dessen Altersvorsorge von 100.000 Mark im Jahr 1923 nur noch für eine Tramfahrkarte reichte: Bern kauft die Karte, fährt nach Hause und verhungert, liest Wilmes. Thomas Mann, Georg Grosz oder Kafkas letzte Liebe haben ebenfalls ihren Auftritt, auch von Antisemitismus und der Vielzahl an Suiziden in jenem Jahr erfährt die Kritikerin hier. Bei aller Lebendigkeit mangelt es dem Text nicht an "Tiefe", versichert Wilmes.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.04.2022

Rezensent Robert Probst ist nicht unbedingt ein Freund all der historischen Montagen, die gerade auf dem Buchmarkt Konjunktur haben, auch wenn er das gestiegene Interesse an der Weimarer Republik zu schätzen weiß. Christian Bommarius' Buch zum Krisenjahr 1923 zeigt ihm die Zweischneidigkeit des Genres, das weniger auf politische Zusammenhänge blickt als auf die Tagebücher von Schriftstellern und Künstlern. Mit starken Zitaten, funkelnden Details und geschickt ausgesuchten Zeitungsausschnitten schafft Bommarius ein schillerndes, emotional eindringliches Panorama, das einen Eindruck von der Zukunftsangst, Perspektivlosigkeit und Leere jenes Jahres vermittelt. Politische Analyse ersetzt dies jedoch nicht, betont Probst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2022

Der Journalist und Schriftsteller Christian Bommarius knöpft sich das Jahr 1923 vor, ausgehend von der Hyperinflation und ihren Folgen - und er macht seine Sache gut, meint Rezensent Philip Schäfer. Das Buch beruht auf solider Recherche, ist lebendig erzählt - und so stört es den Kritiker kaum, dass es bisweilen ziemlich durcheinander zugeht. Er liest vom Antisemitismus und Chauvinismus jener Jahre, von Armut und Auftakt der Goldenen Zwanziger und begegnet Sepp Herberger, Vicky Baum, Kafka und Dora Diamant, Marcellus Schiffer oder Joseph Goebbels. Dass abgesehen von einem knappen Anhang samt Kurzbiografien auf einen chronologischen Überblick der Ereignisse sowie auf ein Nachwort, ein Quellen- und Literaturverzeichnis, überhaupt ein paar Zusatzinformationen verzichtet wird, findet Schäfer allerdings bedauerlich.

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