Christian Eger

Gute Poesie

Literatur, Kultur und Herrschaft in Dessau-Wörlitz um 1800
Cover: Gute Poesie
Wallstein Verlag, Göttingen 2025
ISBN 9783835358058
Gebunden, 1336 Seiten, 98,00 EUR

Klappentext

Poesie, Kultur und Herrschaft: Eine Geschichte des literarischen Lebens in Dessau-Wörlitz um 1800. Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich war nicht allein ein künstlerisches, sondern auch ein literarisches Ereignis. 1774 gründete sich in Dessau die Reformschule Philanthropinum, die Zentralagentur einer neuen Kinder- und Jugendliteratur. Von 1781 an arbeitete die Buchhandlung der Gelehrten am Ort, das erste große Selbstverlagsunternehmen der Zeit. Winckelmann und Gellert, Basedow und Lavater, Goethe und Wieland beförderten das Kulturwerk des Fürsten Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, der sich seit seinem Regierungsantritt 1758 in einem als aufgeklärt gepriesenen Umfeld bewegte. In Büchern suchte er Anregungen für eine mustergültige Herrschaft. Unter dem Begriff der "Guten Poesie", einer dienstbaren, auf äußere gesellschaftlich-kulturelle Zwecke zielenden Literatur, legt Christian Eger eine Geschichte des literarischen Lebens in Dessau-Wörlitz um 1800 vor, die den Zusammenhang von Poesie, Kultur und Herrschaft erklärt. Erstmals werden die Lektüren des Fürsten und der Fürstin Louise von Anhalt-Dessau erfasst, deren zahlreiche Kontakte mit Schriftstellern rekonstruiert. Dokumentiert werden Autoren und Werke, literarische und kulturelle Institutionen sowie die gesellschaftlichen Effekte des fürstlichen Kultureinsatzes, der versuchte, Poesie, das Gemachte, in Politik, das zu Machende, zu übersetzen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2026

Alles, was Sie schon immer über die Dessau-Wörlitzer Gartenlandschaft wissen wollten, aber nie zu fragen wagten, findet sich laut Rezensent Ulrich Steinmetzger in diesem Buch. Dessen Autor Christian Eger widmet sich in dieser zweibändigen Studie, seiner Dissertationsschrift, mit atemberaubender Akribie dieser Enklave der Kultur, die Fürst Leopold Friedrich Franz, genannt "Vater Franz", Ende des 18. Jahrhunderts erschuf. Oft wird diese Gartenlandschaft in der Literatur idealisiert, so Steinmetzger, Eger schaut genauer hin, relativiert einiges, stellt aber gleichwohl auch die außergewöhnlichen Leistungen von Vater Franz präzise und anschaulich dar. Eger geht auf eine ganze Reihe von Errungenschaften dieses Kulturprojekts ein, es geht um die zahlreichen Literaten, die in Dessau-Wörlitz zu Besuch waren und teilweise auch blieben, um den Bildungshunger von Vater Franz und auch um dessen sehr belesene Gemahlin Louise von Anhalt-Dessau. Insgesamt fügt sich das zu einem Buch über die titelgebende "gute Poesie", womit eine Form des Kunstschaffens gemeint ist, die sich an gesellschaftlich nutzbringenden Idealen orientiert. Steinmetzger ist nach der Lektüre jedenfalls ausgesprochen angetan, sowohl von Vater Franz als auch von Egers Annäherung an dessen Projekt.

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