Aus dem Französischen von Stefan Lorenzer. "Die historische Erzählung, die Sie lesen werden, wurde von einem Geografen geschrieben. Sie möchte deutlich machen, was die Geschichte von Gesellschaften ihrem Raum verdankt. Geografen beschäftigen sich für gewöhnlich damit, den Raum der heutigen Gesellschaften zu erforschen und zu interpretieren, während es hier letztlich darum geht, ihre Werkzeuge für das Verständnis der Vergangenheit fruchtbar zu machen. ... Wir werden Meeresströmungen und Seefahrer kennenlernen, Berge, Wüsten und Eroberer, Bauern und zu kalte Winter."
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.12.2025
Eine insgesamt spannende Lektüre ist dieses ambitionierte Buch laut Rezensent Thomas Groß. Christian Grataloup, emeritierter Professor für Historische Geographie, entwirft darin eine Geschichte der Menschheit, die sich nicht an den Taten einzelner Individuen orientiert, sondern an den natürlichen Gegebenheiten des Planeten Erde, beziehungsweise an der Kategorie des Raums, was, an die französische Annales-Schule sowie an Netzwerktheorien anschließt. Grataloup schildert beispielsweise, wie die milden Winter der Savannen Afrikas oder die eufrasische Achse mit ihren Handelswegen von Nordafrika bis Asien die Weltgeschichte beeinflusste. All das auf gerade einmal 400 Seiten zu entwickeln ist gewagt, so Groß, und gelegentlich springt Grataloup doch zu verwegen durch die Jahrhunderte, aber viele der hier entwickelten Thesen sind gleichwohl neu und diskutierenswert. Am Schwächsten freilich findet Groß die Passagen zu unserer Gegenwart, die auf die bekannte Kritik an der Moderne und der mit ihr einher gehenden Umweltzerstörung hinauslaufen. Gleichwohl beschränkt sich Grataloup auch hier nicht auf Schwarzmalerei, sondern betont, dass immer alles anders kommen kann, als man denkt, schließt der Kritiker positiv.
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