Christian Heidrich

Die Konvertiten

Über religiöse und politische Bekehrungen
Cover: Die Konvertiten
Carl Hanser Verlag, München 2002
ISBN 9783446201477
Gebunden, 381 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Manchmal ist es ein plötzlicher Moment großer Klarheit, manchmal das Ende einer langen, quälenden Entwicklung: der Augenblick der Konversion, die radikale Wende hin zu einer neuen religiösen oder politischen Überzeugung. Christian Heidrich erzählt die entscheidenden und dramatischen Etappen einiger berühmter Konvertiten auf dem Weg zu ihrer ganz persönlichen Wahrheit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2002

Behutsam und nicht denunziatorisch gehe der Autor vor, freut sich Uwe Justus Wenzel in seiner Besprechung dieses Bandes über religiöse und politische Bekehrungen. Im Vordergrund steht dabei die Selbstwahrnehmung des jeweiligen "Umgestülpten", welche der Autor, gestützt auf Selbstzeugnisse der überwiegend denk- und sprachkräftigen Gestalten (Augustinus, Ernst Jünger, Andre Gide z.B.) analysiert. Dass er dabei jenseits phänomenologischer und religionssoziologischer Systeme operiert, geht schon in Ordnung, hält er sich doch, wie Wenzel schreibt, an einige elementare Unterscheidungen "wie die zwischen der blitzartigen und der allmählichen Umwendung". Nicht sehr einleuchtend findet Wenzel hingegen die Auslassung eines gewissen Martin Luther, wenn auch seine Berücksichtigung den Eindruck kaum abgemildert hätte, den der Band beim Rezensenten hinterlässt: dass "vorzüglich die Hinwendungen zur Una Sancta genügend 'Wucht' und 'Farbigkeit' mit sich zu bringen scheinen, um in des Autors Sinne als exemplarisch zu gelten".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.04.2002

Gar nicht zufrieden zeigt sich Otto Kallscheuer mit dieser Studie über politische und religiöse Konvertiten. Dabei war er schon neugierig zu erfahren, worin Bekehrung heute besteht. Das Buch des Theologen, Philosophen und Seelsorgers Christian Heidrich aber, so erklärt er, sei zwar belesen, doch "theoretisch unausgegoren": Viel Material, aber wenig weiterführende Analyse. Schon die Auswahl des Samples bleibt dem Rezensenten unklar: "Was verbindet denn die dramatische Kehre des Paulus oder die lange vorbereitete Bekehrung Sankt Augustins mit Heinrich Heines 'Entréebillet' in den deutschen Protestantismus?" Eine bunte Serie von mehr oder weniger gelungenen Nacherzählungen von Bekehrungen sieht Kallscheuer darin, ein "Konvertitenpanorama", das, so bedauert er, "weniger an aktuellen religiösen Identitätskrisen interessiert (ist) als am katholischen Familienalbum".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.03.2002

Der Untertitel des Buches verspricht religiöse und politische Konversionen - wer diesem Versprechen aber glaubt, dürfte, so Elke Schubert, vom Inhalt eher enttäuscht sein. Der politische Teil nämlich macht nur einen Bruchteil aus, und die Rezensentin sieht darin durchaus eine "vertane Chance". Was nicht heißt, dass sie das Buch schlecht findet. Was bleibt, ist nämlich eine "Tour de Force" durch die Geschichte religiöser Konversionen, und die ist, wie die Rezensentin meint, durchaus "spannend". Die Kapitel umfassen die Themen "Blitzkonversion", "gescheiterte Konversion", literarische und philosophische Konversionen: die Auswahl scheint Elke Schubert "schlüssig". Bei den literarischen Konvertiten geht es um Alfred Döblin und Muriel Spark, auch um André Gide, dessen Homosexualität sich mit seiner Konversion zum Katholizismus nicht recht vereinbaren ließ. Auffallend auch, so Schubert, dass die Zeit der Konversionen, für den Moment wenigstens, vorbei zu sein scheint.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002

Friedemann Voigt kann nicht verhehlen, dass ihn dieses Buch über einige bekannte Konvertiten etwas "erschöpft" und seinen "Appetit auf atheistische Lektüre" angeregt habe. Trotzdem findet er, dass es dem Autor gelungen sei, gerade die Konversionen von Schriftstellern des 20. Jahrhunderts wie Döblin, Spark und Graham Greene "eindrucksvoll" darzustellen. Der Rezensent lobt auch die stilistische Brillanz der Konversionsgeschichten und bescheinigt Heidrich ein Talent zu "mitreißenden und erschütternden" Beschreibungen. Das letzte Kapitel über politische Konversionen allerdings wirkt laut Voigt "angehängt" und hat den Rezensenten verstimmt, zumal er hier unter anderem einen Angriff des katholischen Theologen auf den Protestanten Andre Gide heraus zu lesen meint.

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