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Wilhelm Hennis

Max Weber und Thukydides

Nachträge zur Biografie des Werks
Cover: Max Weber und Thukydides
Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2003
ISBN 9783161479731
Kartoniert, 202 Seiten, 29,00 EUR

Klappentext

Die in diesem Band gesammelten Arbeiten führen die von Wilhelm Hennis 1982 begonnene Auseinandersetzung mit Max Webers "Fragestellung" weiter. Der Autor konfrontiert die herrschende systematisch-soziologische Interpretation mit dem Versuch, das Werk Webers strikt werkgeschichtlich, also aus der Biografie des Werks heraus zu verstehen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2003

Nach "Max Webers Fragestellung" (1987) und "Max Webers Wissenschaft vom Menschen" (1996) kämpft der emeritierte Freiburger Politologe und enthusiastische Weber-Forscher Wilhelm Hennis mit seiner Aufsatzsammlung "Max Weber und Thukydides" ein weiteres Mal den "Kampf um Weber", meldet Rezensent Hans Bernhard Schmid. Hennis kämpfe gegen die verbreiteten Deutungen Webers, wonach er als "Gründervater der Soziologie", großer sozialwissenschaftlicher Methodologe neukantianischer Provenienz, liberaler Politiker und politischer Denker im konventionellen Sinn oder Diagnostiker der fortschreitenden Rationalisierung figuriert. Für Hennis sei Webers Werk wesentlich "Wissenschaft vom Menschen", erklärt Schmid, seine Neuinterpretation Webers folge einem "werkbiografischen" Ansatz. Nach Schmids Ansicht kann Hennis überzeugend zeigen, dass und wie sich Webers Berührung mit Thukydides, dem Historiker des Peloponnesischen Krieges, in seiner Theorie niedergeschlagen hat. "Wer sich von Hennis über die mannigfachen Berührungen mit der Historiographie des Thukydides unterrichten lässt", resümiert der Rezensent, "wird in der pessimistisch gefärbten Nüchternheit, im ganzen 'wirklichkeitswissenschaftlichen' Zuschnitt Webers den Geist des griechischen Historikers wiedererkennen."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.04.2003

Wilhelm Hennis' Aufsatzband "Max Weber und Thukydides" hat Rezensent Jürgen Busche im Großen und Ganzen überzeugt. Wie Busche berichtet, war Hennis zufällig auf ein aus der Bibliothek aussortiertes Buch von Wilhelm Roscher, "Leben, Werk und Zeitalter des Thukydides", gestoßen, das mit Notizen Max Webers versehen war. Weber hatte das Buch, das ihn in seiner Sicht des Thukydides und seinem politischen Denken stark beeinflussen sollte, erstmals als Primaner gelesen. Hennis' Schilderung der Umstände und des Umfelds dieser Lektüre hat Busche außerordentlich gut gefallen. Eine untergegangene Welt deutscher Gelehrsamkeit, in der Gymnasium und Universität in gegenseitiger Achtung an der Vermittlung humanistischer Bildung arbeiteten, werde da anschaulich gemacht, findet Busche. Skeptisch zeigt er sich hingegen gegenüber dem, was Weber aus seiner Thukydides-Lektüre gewonnen hatte. Hier erhebt Busche Einspruch: Der harte thukydideische Ton werde fehlinterpretiert, wenn man ihn als Ausdruck einer Haltung auffasse, die die Vernunft "nicht in der Vernunft, noch weniger in der Moral" sehen wolle.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2003

Wilhelm Hennis Band "Max Weber und Thukydides" versammelt zur Freude von Rezensent Hartmann Tyrell die "schönsten Deutungskämpfe um Max Weber" - Hennis' "große Rezensionen" zur Max-Weber-Gesamtausgabe. Nach "Max Webers Fragestellung" (1987) und "Max Webers Wissenschaft vom Menschen" (1996) suche Hennis - "intellektuell entflammt" - auch im vorliegendem Band die Deutungshoheit über Max Weber zu behaupten und gegen die Inanspruchnahme Webers für und durch die Soziologie zu verteidigen, berichtet Tyrell. Das ist ihm seines Erachtens abermals bestens gelungen. Er hebt hervor, dass für Hennis der biografische Ansatz im Vordergrund steht; nicht was aus Weber folge, sei deutungsmaßgeblich, sondern welche Vorgeschichten in ihm intellektuell zusammenfließen und hier persönlichkeitsbestimmend zum Tragen kommen. So nehme Hennis in dem "faszinierenden" Beitrag "Max Weber und Thukydides" in die Biografie des Weberschen Werks auch den Gymnasiasten Weber hinein, seine Schulerfahrung und "Privatlektüre". Aufschlussreich findet Tyrell dabei insbesondere Hennis' Auswertung von Webers mit vielen Randbemerkungen versehenem Exemplar von Wilhelm Roschers "Leben, Werk und Zeitalter des Thukydides" von 1842. Am Beispiel von Webers Beschäftigung mit Thukydides zeige Hennis, dass es für ein angemessenes Verständnis Webers nötig sei, die Antike ins Auge zu fassen. Neben den Rezensionen enthält der Band auch einige Vorträge Hennis' über Weber. Besonders angetan zeigt sich Tyrell dabei von den Vorträgen "Max Weber in Freiburg" und "Reiz und Aktualität Max Webers", der ein "vorzügliches Schlussstück" abgebe.
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