Keine der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien steht so sehr im Banne der eigenen Geschichte wie die Partei "Die Linke" und ihre Vorgängerin PDS. Keine andere hat eine so wechselhafte Geschichte, wie diese aus der SED hervorgegangene Partei. Daraus ergibt sich die Frage, wie "Die Linke" dieses Erbe verwaltet und wie sie ihre Geschichte als Mittel der Politik und der Profilierung nutzbar zu machen versucht. Christian Lannert schildert systematisch die Vergangenheitspolitik der Partei und beleuchtet einige der zum Verständnis ihrer Triebkräfte wesentlichen Diskurse. Am Ende steht ein zwiespältiger Befund: Der Autor zeigt eine Partei, die ihren hohen moralischen Ansprüchen bei der Aufarbeitung der SED-Vergangenheit zu genügen versucht, aber allzu oft mit aberwitzig geführten Debatten und ausufernden Grabenkämpfen in einem konfliktreichen Spannungsfeld zwischen DDR-Nostalgie und kommunistischer Utopie verharrt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2013
Angenehm frei von vorgefassten Meinungen sei diese Studie über eine zentrale Säule der Identität der "Linken", ehemals PDS, SED, schreibt Mechthild Küpper. Christian Lannert hat nach Auskunft der Rezensentin die Kraft, einen wirklich differenzierten Blick auf die Partei zu werfen. Küpper ist mit dem Autor einig, dass die Auseinandersetzung über die Vergangenheit in der Partei zu den Etappen der Wiedervereinigung gehört und durchaus ihren Sinn hat. Dabei konstatiere Lannert durchaus, dass es auch Kräfte in der Partei gibt, die klar mit Stalinismus und Kommunismus gebrochen haben. Dennoch, so Küpper, erkennt Lannert in der Partei auch anhaltende Probleme, die er klar an zwei Personen festmacht: Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht. Lafontaine, so Küpper, sei für Lannert eine Kraft, die eher die extremistischen Kräfte und Verweigerer in der Partei bestärke. Wagenknecht ist für Küpper zwar nicht mehr so eindeutig Stalinistin, wie Lannert offenbar behauptet, aber Küpper wirft ihr vor, sich nie von ihren früheren Verteidigungen des Totalitarismus distanziert zu haben.
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