Die zentrale Ausgangsthese dieser detektivisch angelegten Arbeit lautet, dass die in diesem Zeitraum dominierende Quellenedition von Werner Kindt als Indiz für ein erinnerungspolitischaktives Kartell zur Reflexionsabwehr gelesen werden muss, dem durch die NS-Zeit schwer belastete, der Jugendbewegung entstammende Historiker angehörten. Gegen diese Tendenzen sucht der Verfasser die wahren Zusammenhänge zwischen dem Steglitzer Wandervogel und der Hitlerjugend aufzudecken. Die Ergebnisse, dargeboten unter der provokanten Leitfrage nach einer Erziehung vor Auschwitz und festgemacht an zentralen völkischen Ideologemen wie Antisemitismus und Antislawismus, sind aufrüttelnd, schockierend und zerstören endgültig den Mythos, den Jugendbewegungsveteranen jahrzehntelang und widerbesseres Wissen verbreitet haben.
Die deutsche Jugendbewegung, aus der nicht nur die Jugendkultur, sondern auch die Reformpädagogik hervorgegangen ist, hat schon lange keinen guten ruf mehr, weiß Micha Brumlik, der dennoch mit großem Interesse verfolgt hat, wie der Dresdner Erziehungswissenschaftler Christian Niemeyer ihre Geschichte neu schreibt. Dezidiert weise Niemeyer nach, wie in bisherigen Darstellungen die NSDAP-Mitgliedschaft etlicher Wortführer unterschlagen wurde, die nach dem Krieg dann Karrieren als "Pädagogen und Professoren, Publizisten und Politiker" machen konnten. Auch dass ein wesentlicher Teil der völkischen Jugendbewegung von vornherein antisemitisch, antislawisch und antiintellektuell war, steht für Brumlik außer Frage. Nur den letzten Schritt will er nicht mitgehen und die Jugendbewegung insgesamt verteufeln: Die völkische ist nicht die ganze Jugendbewegung gewesen, meint Brumlik mit Blick auf ihre jüdischen, sozialistischen und anarchistischen Teile.
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