Aus dem Englischen von Hainer Kober. Wien, 1938. Verzweifelt versuchen jüdische Eltern, ihre Kinder vor den Nazis in Sicherheit zu bringen. In ihrer Not schalten sie Kleinanzeigen im "Manchester Guardian", in denen sie ihre eigenen Kinder ausschreiben, um ihnen ein Überleben in der Fremde zu sichern - obwohl sie wissen, dass sie sich nie wiedersehen werden. Jahrzehnte später stößt der Journalist Julian Borger auf eine dieser Anzeigen und erkennt den Namen eines der Kinder: Robert Borger. Sein Vater. Es ist der Beginn einer Recherche, die Julian Borger mitten hinein führt in ein dunkles Familiengeheimnis. Und Anlass für ihn ist, die Spuren von sieben weiteren Kindern zu verfolgen, deren Schicksalsreise von Wien aus ins Exil nach Shanghai, in die Arme von niederländischen Schmugglern, an die Seite französischer Widerstandskämpfer - oder ins KZ Auschwitz führte.
Bei der Lektüre dieser rekonstruierten Fluchtgeschichte entdeckt Rezensent Ralph Gerstenberg "ein bislang weitgehend unerzähltes Kapitel" des Nationalsozialismus. Julian Borger erzählt davon, wie Eltern jüdischer Kinder in englischen Zeitungsanzeigen Pflegefamilien in Großbritannien suchten. Eines dieser Kinder war sein Vater Robert Borger, der es nach Wales schaffte und sich später in Großbritannien ein neues Leben aufbaute. Borger habe ein "persönliches und bewegendes Buch" geschrieben, lobt Gerstenberg, das aber auch die Erfahrung der Flucht dokumentiere: Zwar hätten sich die Briten solidarisch mit den Opfern des Hitler-Regimes gezeigt, doch seien die Flüchtlinge im Exil oft in einer prekären Situation gewesen. So auch die Eltern von Robert Borger, die ihren Sohn nach dessen ebenfalls geglückter Flucht wegen ihres Dienstbotenvisums nicht aufnehmen konnten. Später nimmt sich Robert das Leben, und der Sohn Julian begreift, dass hinter dieser Entscheidung das unüberwindbare Trauma der Flucht steht, fasst der Rezensent zusammen. Gerstenberg spürt dem im Buch allgegenwärtigen Leid nach und schließlich drängen sich ihm Parallelen zu den Schicksalen heutiger Migranten auf.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…