Pathos ist ein wirkmächtiger Produzent gesellschaftlicher Wirklichkeiten. Ob man "Achsen des Bösen" beschwört oder mit Slogans a la "Du bist Deutschland" die Nation noch einmal zu aktivieren versucht: Zur Konstruktion kollektiver Identitäten, der Herstellung von Feindbildern und gemeinschaftsstiftenden Sinn- und Wertehorizonten eignet sich kaum eine Form der Rede so sehr wie die pathetische. Aber wie genau funktioniert diese "pathetische Rede", und welche Folgen hat sie für das, wovon die Rede ist? Mit dem zeitgenössischen Kino nimmt dieses Buch einen Ort in den Blick, wo Pathos nach wie vor Konjunktur hat. Filmen wie "Titanic", "Pearl Harbor" oder "Breaking the Waves" lassen sich dabei Einsichten in die Funktionsweise pathetischer Artikulationen entnehmen, die zugleich deren ideologisches Potenzial abzuschätzen erlauben: Es liegt in der Verkopplung von Sinn und Sinnlichkeit, die Filme aufgrund ihrer multi-medialen Möglichkeiten besonders effektiv herzustellen wissen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2010
Rüdiger Suchsland hat sehr angeregt zwei Bücher zum kaum erforschten Thema der Kinogefühle gelesen. Christian Schmitts Werk "Kinopathos" setzt sich mit dem komplexen und vertrackten Gebiet der im Kino erzeugten "großen Gefühle" auseinander und macht das ziemlich gut, wie der Rezensent findet. Suchsland lobt nachdrücklich Schmitts inspirierenden und kenntnisreichen Darlegungen, findet allerdings, dass der Autor sich widerspricht, wenn er einerseits betont, dass Filme häufig das eigene Pathos zugleich reflektieren und infrage stellen, andererseits aber - insbesondere das Hollywood-Melodram - als "Konsensmaschine" wirken.
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