"Beherrschung ist etwas für Asketen. Gelassenheit für Reiche. Ironie für Überlebende. Dem Rest bleibt nur das Pathos." Pathos ist überall. Permanent sind wir bewegt, empört und berührt von der Welt - und wollen das auch mit allen teilen. Pathos bedeutet Macht. Wenn die eigene Bewegtheit andere bewegt, kommen erst die Dinge ins Rollen. Dann kann Pathos Veränderung bedeuten. Gleichzeitig spiegelt sein Einsatz auch die herrschenden Machtverhältnisse wider. Solmaz Khorsand seziert die einzelnen Tonlagen des uns stets umgebenden Pathoskonzerts. Sie misst die Lautstärke der Wortführer und hört bei den leisen Äußerungen der Ausgeschlossenen genau hin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 19.07.2021
Rezensent Martin Tschechne empfiehlt Solmaz Khorsands Buch über Pathos als PR. Zu lernen ist für den Leser, woher der Begriff kommt und wie sein Weg von der griechischen Tragödie bis in unsere Zeit ausschaut, was Pathos heute mit Macht zu tun hat und wie es funktioniert und wirkt. Für Tschechne eine Art Gebrauchsanleitung, zumal die Autorin laut Rezensent das Moralisieren lässt und lieber anhand von Beispielen wie der öffentlichen Verarbeitung des Todes von George Floyd analysiert, was Pathos bewirkt, wo seine Paradoxien und Bruchlinien liegen und wie es uns nützt beziehungsweise schadet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2021
Sehr einverstanden ist Dominik Fürst mit den Definitionen und Problematisierungen des Begriffs Pathos in dieser Studie. Denn es geht neben der Kritik an der Dauerempörung im Netz, in der jemand mit großem Pathos sein Opfersein - etwa als Kunde der Deutschen Bahn - beklagt, hier auch um das Pathos als "legitimes Mittel" in der Aufmerksamkeitskultur, wenn zum Beispiel Minderheiten in den Fokus gerückt werden, so der überzeugte Kritiker. Ihm hat sehr gefallen, wie die Autorin beide Seiten beleuchtet und er findet auch die Analyse des systemstabilisierenden Elements dieser rhetorischen Figur des Pathos hoch interessant. Er stimmt der Autorin zu, dass es nicht immer die "feierliche Ergriffenheit" das Mittel der Wahl sein muss und dass schlichte politische Leidenschaft eventuell auch manchmal reicht.
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