Die Massenmedien berichten unter dem Stichwort "polizeiliche Übergriffe" in verschiedenen demokratischen Staaten immer wieder über illegale Gewaltanwendungen der Polizei. Im Vergleich zur öffentlichen Aufmerksamkeit hat sich die sozialwissenschaftliche Forschung - zumindest in Deutschland - selten mit dieser Thematik beschäftigt. Die Tabuisierung innerhalb der Polizei erschwert die empirische Erforschung und erfordert neue methodische Zugänge. Mit Hilfe eines experimentellen Forschungsdesigns wird eine empirische Annäherung an diesen sensiblen Themenbereich versucht. Aus einer handlungspsychologischen Perspektive wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit Übergriffsintentionen bei Polizeibeamten mit identitätsrelevanten Personen- und Situationsmerkmalen in Beziehung stehen. Im Rahmen des KFN-Forschungsprojekts "Polizei im Wandel" wurden Befragungsdaten von insgesamt 1.674 niedersächsischen Polizeibeamten erhoben und ausgewertet. Die Ergebnisse der Studie liefern Hinweise darauf, dass polizeiliche Übergriffe in bestimmten Einsatzsituationen wahrscheinlicher auftreten.
Mehr als notwendig scheint Rezensent Otto Diederichs eine Untersuchung polizeilicher Übergriffe auf Bürger in Deutschland, sowohl für die Opfer als auch für die Polizei selbst. Dass sich mit Christiane Bosolds vorliegender Arbeit endlich eine Publikation diesem Thema widmet, kann er also nur begrüßen. Doch leider hat ihn die Untersuchung der Autorin bitter enttäuscht. Bosolds Dissertation erweist sich seines Erachtens für Polizei wie auch für Opfer polizeilicher Gewalt schlicht als "unbrauchbar". Er kritisiert die akademische Verblasenheit des Buchs, die ewig langen Kapitel und die langatmigen Definitionen soziologischer Muster. An Erkenntnissen, zumal an neuen, kommt für ihn dabei eigentlich überhaupt nichts zustande. Besonders ärgert er sich über die sprachliche Gestaltung des Buchs. "ein verbaler Übergriff".
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