Jan Rolin untersucht Theorien zum Ursprung des Staates in zahlreichen staatstheoretischen Schriften der Neuzeit. Er verfolgt dabei einen ideengeschichtlichen Ansatz, der die Forderungen der sogenannten Neuen Ideengeschichte konsequent umsetzt. Neben den Texten der großen bekannten Autoren analysiert er auch unzählige weniger bekannte. Inhaltlich beschränkt sich die Untersuchung nicht auf einen Überblick über die Entwicklung der naturrechtlich-rechtsphilosophischen Lehren zur Legitimation von Staat und Staatsgewalt im 18. und 19. Jahrhundert, sondern widmet sich auch der Analyse der Entwicklung zentraler Topoi unserer modernen politisch-sozialen Sprache, etwa Freiheit, Souveränität, Verfassung, Volk und Nation und der Frage nach dem Zweck des Staates.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2005
Überzeugend findet Michael Pawlik diese "höchst materialreiche" Dissertation über die Legitimation von Staat und Staatsgewalt im deutschen Naturrechtsdenken des 18. und 19. Jahrhunderts, die Jan Rolin vorgelegt hat. Ausführlich rekapituliert Pawlik die Grundzüge von Hobbes' Staatsphilosophie, die politische Herrschaft auf einen Gesellschaftsvertrag zurückführt. Rolins weise nach, dass das deutsche Naturrecht im achtzehnten Jahrhundert sich sowohl von Hobbes' anthropologischen Prämissen als auch von dessen fundamentalem Theorem der rechtlichen Ungebundenheit des Souveräns distanzierte. Weiter zeige er, wie sich seit den achtziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts die deutsche Naturrechtslehre unter dem Eindruck Kants und der Französischen Revolution einen politischen Kurswechsel vollzog. Von nun an stand die Sicherung individueller Freiheit und der Menschen- und Bürgerrechte im Mittelpunkt der Erwägungen. Rolins "luzide, auf eigene Wertungen weitgehend verzichtende Darstellung", resümiert der Rezensent, "lässt dem Leser den Abschied vom Naturrecht gesellschaftsvertragstheoretischer Couleur leicht werden."
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