Jan Keuchel, Christina Zühlke

Tatort Polizei

Gewalt, Rassismus und mangelnde Kontrolle
Cover: Tatort Polizei
C.H. Beck Verlag, München 2021
ISBN 9783406774959
Kartoniert, 219 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Die Polizei, dein Freund und Helfer - dieses Bild hat längst Risse bekommen. Immer häufiger werden gewalttätige Übergriffe durch Beamte öffentlich, und die Republik wird durch rassistische und rechtsradikale Chatgruppen im Polizeiumfeld erschüttert. Doch die Verantwortlichen in Sicherheitsbehörden und Politik reden das Problem noch immer klein - und ignorieren, dass hinter diesen Auswüchsen ein Systemversagen steckt. Was läuft schief bei der deutschen Polizei? Und was ist nötig, um die Fehler zu beheben? Wer bei der deutschen Polizei intern aufbegehrt oder gar Kolleg:innen anzeigt, büßt oft mit Schikane und Mobbing. Die Opfer von Polizeigewalt bleiben derweil auf sich allein gestellt, es fehlt an unabhängigen Ermittlungseinheiten zur Aufklärung solcher Taten. Und kaum ein Innenminister ist bereit, das marode System gegen den Willen der Polizei zu reformieren. Jan Keuchel und Christina Zühlke zeigen anhand zahlreicher Fälle und auf der Grundlage investigativer Recherchen, wie gewalttätige Übergriffe und rassistische Ausfälle durch Polizist:innen aussehen, wie sie vertuscht werden - und warum Betroffene kaum Chancen haben, solche Fälle unabhängig aufklären zu lassen. Sie belegen, wie dürftig die Bundesländer mit unabhängigen Kontrollinstanzen ausgestattet sind, und werfen auch einen Blick ins Ausland, wo es unabhängige Ermittlungseinheiten für Polizeivergehen teilweise schon länger gibt - mit wichtigen Ergebnissen. Ihr Buch ist ein Plädoyer für eine Systemreform in Deutschland, um die vielen guten Polizist:innen vor jenen Kolleg:innen zu schützen, die den Ruf einer der wichtigsten Institutionen unseres Staates schleichend zerstören.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2022

Rezensentin Katharina Iskandar begrüßt das Buch der Journalisten Jan Keuchel und Christina Zühlke, das der Frage nachgeht, wie viel Kontrolle die Polizei braucht, um Racial Profiling, rechtsextreme Tendenzen, aber auch alltägliche Polizeigewalt zu verhindern. Die episodische Anlage des Buches, in dem die Autoren anhand von Beispielen, Gerichtsakten, Opfer- und Zeugenaussagen und Studien Fälle von Polizeigewalt untersuchen, gefällt Iskandar gut. Allerdings scheinen ihr einige der aufgegriffenen Fälle nicht gründlich genug betrachtet zu werden und nicht immer so aussagekräftig zu sein. Das ändert jedoch nichts daran, dass der Band als Ganzes funktioniert und die Autoren die "richtigen" Fragen stellen, beteuert die Rezensentin. Und unter Generalverdacht stellen die Autoren die Polizei auch nicht, stellt sie erleichtert fest.
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