Christiane Kuller

Bürokratie und Verbrechen

Antisemitische Finanzpolitik und Verwaltungspraxis im nationalsozialistischen Deutschland
Cover: Bürokratie und Verbrechen
Oldenbourg Verlag, München 2013
ISBN 9783486716597
Gebunden, 480 Seiten, 39,80 EUR

Klappentext

Die staatlichen Finanzbehörden waren maßgebliche Akteure bei der Planung, Legitimation und Umsetzung der wirtschaftlichen Ausplünderung der deutschen Juden. Wie kam es dazu, dass ein so großer und weit verzweigter bürokratischer Apparat wie die Finanzverwaltung mit zehntausenden von Mitarbeitern weitgehend reibungslos im Sinne der NS-Politik funktionierte und sich bereitwillig an den Staatsverbrechen des "Dritten Reiches" beteiligte? Um diese Kernfrage zu klären, geht Christiane Kuller in ihrer Pionierstudie den politischen Entscheidungen, der institutionellen Organisation und der praktischen Durchführung der fiskalischen Verfolgung nach und verknüpft diese Ebenen erstmals. Ihre Analyse der Normen und institutionellen Routinen wie auch situativer und personaler Faktoren verdeutlicht die erschreckende Rolle des Reichsfinanzministeriums und seiner Verwaltung bei der Ordnung des Terrors. Eingebettet in eine längere zeitliche Perspektive, die bereits im späten 19. Jahrhundert einsetzt und bis in die Nachkriegszeit reicht, erschließen sich somit Grundfragen der Analyse nationalsozialistischer Staatsverbrechen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2014

Als Aufforderung an die Forschung, private Zeugnisse nach Handlungsparametern von Verwaltungsbeamten im Dritten Reich zu durchforsten, sieht Wolfram Pyta die Studie von Christiane Kuller. Dass die Autorin daraus resultierende Befunde in ihrer Arbeit kontextualisiert, indem sie sie in eine Struktur- und Kulturgeschichte der Verwaltung einordnet, in eine sensible Bürokratiegeschichte mit dem Typus des professionellen Finanzbeamten der demokratischen Republik von Weimar, hält er für wegweisend. Nicht nur, weil er den damit angepeilten Verwaltungskomplex für besonders ideoligieanfällig hält, sondern auch, da ihm, wie von Frau Kuller herausgearbeitet, die fiskalischen Instrumente und Kommunikationsstrukturen besonders geeignet scheinen, jüdisches Vermögen gezielt abzuschöpfen. Eine Einsicht, die Pyta als Voraussetzung für künftige Arbeiten zum Thema erscheint.

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