Christina Hesselholdt

Venezianisches Idyll

Roman
Cover: Venezianisches Idyll
Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN 9783446282490
Gebunden, 192 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein. Gustava, Psychiaterin, Mitte fünfzig, ist erschöpft von unzähligen Umzügen und dem Leid der anderen. Sie wird ihrem Leben ein Ende setzen und bricht dazu auf in den eisigen Norden. Doch vor dem Polarlicht kommt es zum Sinneswandel: Das neue Ziel heißt Venedig - hier soll ihre Lebenslust neu erblühen. Zu Hause stößt ihr labiler Bruder Mikael auf ihren Abschiedsbrief und reist ihr hinterher. Bloß von ihm, den sie schon ihr Leben lang stützen muss, will sie nicht gerettet werden, jedenfalls nicht, während sie sich mit täglichen Negronis im venezianischen Idyll entspannter Lebensfreude anzunähern versucht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2025

Eine dänische Psychologin namens Gustava will sich das Leben nehmen: So beginnt der neue Roman von Christina Hesselholdt, den Rezensent Stephan Opitz trotz dieses Anfangs unterhaltsam findet. Die allein lebende Gustava fühlt sich von ihrer Mutter unter Druck gesetzt, Kinder zu bekommen, und fährt deswegen nach Tromsö, wo sie ihrem Leben ein Ende setzen will, entscheidet sich dann aber doch anders und fliegt nach Venedig. Sie hat sich plötzlich wieder daran erinnert, dass sie nach dem Protagonisten aus "Tod in Venedig" benannt ist. Dem Kritiker zufolge geht die Analogie nicht so ganz auf, auch dass auf einmal der russische Angriffskrieg auf die Ukraine eingeführt wird, ergibt für ihn nicht so viel Sinn. Doch alles in allem können solche "Nickeligkeiten" seine Freude an diesem, wie er findet gelehrten und kurzweiligen, Roman nicht trüben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.02.2025

"Über Venedig zu schreiben, ist so, als würde man ein Glas Wasser ins Meer kippen", zitiert der hier rezensierende Literaturwissenschaftler Dieter Borchmeyer den Erzähler aus diesem Venedig-Roman der dänischen Autorin Christina Hesselholdt. Und doch sticht ihr "Venezianisches Idyll" hervor, ist er doch ein "postmodernes Musterbeispiel" dessen, was Schlegel "Transzendentalpoesie" nennt, lässt uns Borchmeyer wissen: Hesselholdt experimentiert auf der Meta-Ebene, spielt mit Venedig-Referenzen von Casanova bis Madonna, vor allem aber mit Thomas Manns "Tod in Venedig". So nennt sie ihre suizidale Hauptfigur etwa Gustava, eine erschöpfte Psychiaterin, die in Venedig neue Lebensgeister schöpft. Bald taucht auch deren Bruder Mikael auf, aus Sorge um das Suizidvorhaben der Schwester begibt er sich auf Aschenbachs Spuren durch Venedig, um die Schwester zu finden, resümiert der Kritiker. Jener Mikael und der allwissende, aber gänzlich unzuverlässige Erzähler sind zudem als Gegensatzpaar des Dionysischen und des Apollinischen im Sinne Nietzsches angelegt, klärt der Rezensent auf. Borchmeyer verirrt sich jedenfalls gern in diesem literarischen Labyrinth, nicht zuletzt dank der exzellten Übersetzung von Ursel Allenstein.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 05.02.2025

Rezensentin Beate Tröger sieht in Christina Hesselholdts Roman ein "literarisches und psychologisches Vexierspiel", das Thomas Manns "Tod in Venedig" verhandelt. Gustava und ihr Bruder Mikael entstammen einer "allenfalls giftig glücklichen" Beziehung, die in Venedig ihren Ausgang nahm, und fatale Folgeschäden bei den beiden hinterlassen hat. Psychotherapeutin Gustava geht es so schlecht, dass sie ihren Suizid plant, während ihr Bruder Mikale in Weltfremdheit lebt. Eine schwere seelische Last bedrückt die Figuren hier also - trotzdem ist der Ton hier immer mal wieder humorvoll, betont Tröger. Die Handlung wird außerdem häufig durch psychoanalytische Einlassungen eines mitdenkenden Erzählers unterbrochen, der gleichzeitig "Es und Über-Ich der Geschwister" ist und verschiedene Identitäten hat. Es entsteht so eine postmoderne Metafiktion mit Thomas Mann-Bezug, schließt Tröger, die dann doch zu einem "überraschend skurrilen" und, tatsächlich auch freundlichen, Ende findet. 

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