Christine Ott

Identität geht durch den Magen

Mythen der Esskultur
Cover: Identität geht durch den Magen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2017
ISBN 9783100022080
Gebunden, 496 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Unsere globalisierte Gesellschaft bietet eine scheinbar unendliche Vielfalt an Ernährungsoptionen, die Essen zum individuellen Lifestyle machen. Christine Ott zeigt jedoch in ihrem Buch 'Identität geht durch den Magen. Mythen der Esskultur', dass bei jeder Ess-Entscheidung mächtige Mythen wirken: Sie propagieren Auffassungen von Mann und Frau, Kultur und Natur, Zivilisation und Barbarei, Gesellschaft und Vereinzelung. Anhand politischer Statements, ernährungsreformerischer Ideologien, literarischer Texte und Filme beleuchtet sie kritisch ebenso populäre wie umstrittene Gastromythen (u.a. die Totem-Funktion von französischem Käse, das kulinarische Genie der Italiener, das Phantasma der essbaren Frau, das Reinheitsversprechen der Muttermilch) und deckt auf, was wirklich hinter den wechselnden Ess-Identitäten steckt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.06.2017

Im Gegensatz zu dem von Kikuko Kashwagi-Wetzel und Anne-Rose Meyer herausgegeben Band zur "Theorien des Essens" konzentriert sich die Romanistin Christine Ott in ihrer Kulturgeschichte des Essens unter dem Aspekt der Identität vor allem auf literarische Texte, informiert Rezensent Nicolas Freund. Interessiert liest er etwa, wie Ott in ihrer Analyse von Texten von Rousseau bis Elena Ferrante anhand von Diätvorschriften für Frauen einen "patriarchalischen Sadismus" nachweist, der auch heute noch in Werbung und Fernsehen zu finden sei. Darüber hinaus erfährt der Kritiker hier nicht nur, wie sich nationale Identitäten über die Esskultur bilden, sondern lernt auch, wie derartige Verknüpfungen häufig zu "falschen Assoziationen" von Ideologien, etwa zwischen Vegetarismus und Feminismus, führen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2017

Rezensent Jakob Strobel Y Serra braucht einen Schnaps am Ende der Lektüre von Christine Otts Versuch, mit Barthes "Mythen des Alltags" Esskultur weltweit kultursemiotisch, philosophisch, soziologisch, ethnologisch und psychologisch zu untersuchen. Was die Literaturwissenschaftlerin an Zusammenhängen zwischen Ernährung und Psyche, Nationalküchen und nationaler Identität und Religion und Ethik des Essens herausfindet, verblüfft den Rezensenten weniger wegen der Größe des Erkenntnisgewinns, sondern eher aufgrund der Banalität der Schlüsse und weil die Autorin oft nicht mal zu einem solchen gelangt. Dass die Autorin Essen jenseits des Diskurses übers Essen kaum wahrnimmt, überrascht den Rezensenten ebenso. Das saure Sahnehäubchen ist für ihn die gedrechselte Sprache der Autorin.
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