Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.04.2002
Rezensent Michael Matthiesen bleibt bei seiner primär referierenden Besprechung von Christoph Cornelißens Werk über Leben und Werk des Freiburger Historikers Gerhard Ritter recht leidenschaftslos. Der Rezensent findet in dem Buch zum einen eine "detailreiche" Biografie des konservativen Historikers, zum anderen eine Darstellung der methodischen Konzeptionen Ritters, die sich auf wichtiges Quellenmaterial stützt. Cornelißens vergleichende Lektüre von Texten anderer zeitgenössischer Autoren scheinen dem Rezensenten nicht so recht zu gefallen, da diese "Historikergespräche" Ritter mit Alternativen kontrastierten, die "so gewählt sind, dass sie den moderneren Standpunkt vertreten, und denen die Sympathie des Verfassers gilt". Unterscheidungen, auf die Ritter großen Wert legte, - etwa jene zwischen einer scholastisch geprägten Hochschule und dem Lob der Humanismus bei Johannes Haller - würden dagegen fehlen. Auch Cornelißens kritische Auseinandersetzung mit Ritters Äußerungen im Dritten Reich scheinen dem Rezensenten nicht ganz fair, beschwert er sich doch, dass auf einmal überall "Missverständnisse, Widersprüche und begriffliche Konzessionen" diagnostiziert würden. In diesem Zusammenhang wirft er dem Autor den "Ton eines Untersuchungsberichts vor". Am interessantesten erscheint ihm diese Biografie, wenn sie "Geschichten erzählt" und beispielsweise Ritters Engagement in der bekennenden Kirche näher beleuchtet. Cornelißens Arbeit charakterisiert Gerhard Ritter nach Einschätzung des Rezensenten "als Produkt seiner Zeit" und dokumentiert so die "Entfremdung unter den Generationen".
Überaus differenziert bespricht Volker Ullrich diese Biografie von Christoph Cornelißen. Dieser zeichne Herkunft und Werdegang des Historikers Ritter nach, der eine widersprüchliche Figur war, wie sich daran zeige, dass er zwar nationalistisch, antikommunistisch und zeitweise auch antisemitisch eingestellt war, sich aber dennoch gegen die NSDAP gestellt habe. Dies alles bespricht Cornelißen nicht nur mit Hilfe der Werke Ritters, sondern auch seiner Briefe und Randbemerkungen zu verschiedenen Büchern. So sehr der Rezensent auch Cornelißens umsichtige Biografie lobt, so kritisch sieht er allerdings auch ihren Protagonisten, der mit viel stilistischem Pathos seine konservativen und antiquierten Vorstellungen darstellte. In einem Punkt divergieren die Vorstellungen von Autor und Rezensent überaus deutlich: Während es Cornelißens Ziel gewesen sei, Ritter aus der Vergessenheit zu befreien, ist der Rezensent der Ansicht, dass es überaus gute Gründe gebe, ihn dort zu lassen.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…