Eine Primaria stellt einem Journalisten in herrlich unterhaltsamer, phrasendreschender Weise die neu umgebaute Einrichtung vor; ein Erzähler passt für ein Wochenende auf den Sohn seiner Schwester auf und sie spielen ein wahnwitzig irrsinniges und kaum durchschaubares Spiel; eine polnische Pflegekraft kümmert sich wochenweise um einen alten Professor und hilft ihm bei seiner besonderen Sammelleidenschaft; Morthoff ist auf der Suche nach - literarischem - Stoff und findet sich in einer noir-hardboiled Persiflage wieder.
Rezensentin Angela Gutzeit verliert sich, ja schwelgt in Erzählungen, die vom Ableben erzählen, vom Ruinösen und vom Leben in oder als Ruinen. Schon seit 2019 beschäftigt sich der österreichische Schriftsteller Christoph Dolgan immer wieder literarisch mit dem Verfall von Menschen und Orten, die einander spiegeln, oder wie Gutzeit es ausdrückt: Menschen, "die mit Un-Orten geradezu verschmelzen". Auch in "Blitzeisidentität" beschreibt und fixiert Dolgan mit beeindruckender Präzision solche Momentaufnahmen aus dem Prozess des Sich-Ruinierens oder des Ruiniertwerdens: Ein verstaubtes Elternhaus, ein wortwörtlicher Kampf gegen den Tod, zwei Pfandflaschensammler, die vom Theater träumend dem Untergang entgegen streben. Auf der anderen Seite: Das Motiv des Erstarrten oder Gefrorenen, des statischen Kreisens um sich selbst. Da ist zum Beispiel der Schriftsteller, der von seiner Geschichte erzählt, in der eine Frau ihr gefrorenes Spiegelbild an sich nehmen will und dabei selbst festfriert. Solche absurd komischen Einfälle sind es, die die Rezensentin über all die "abgrundtiefe Melancholie" dieser kunstvollen Geschichten hinwegträgt.
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