Björn Kern

Einmal noch Marseille

Roman
Cover: Einmal noch Marseille
C.H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406535512
Gebunden, 128 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

"Ich werde mich nicht mehr bewegen können", sagt die Mutter in Björn Kerns zweitem Roman. "Ich werde nicht mehr schlucken können, und am Ende ersticke ich." Das Leben in der kleinen Familie aus Vater, Mutter und Sohn wird kompliziert, grotesk, eine Belastung für die Nerven, eine Herausforderung, dennoch zu lieben und füreinander da zu sein. Längst führt der Sohn, der Erzähler, ein eigenes Leben. Aber die Krankheit der Mutter zwingt ihm eine Nähe auf, die alles auf den Prüfstand stellt...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.07.2006

Mit so etwas hätte Rezensent Rolf Spinnler nicht gerechnet: Ein Buch über den langsamen Tod einer Frau, die an einer unaufhaltbaren Krankheit leidet, noch dazu von ihrem 1978 geborenen Sohn geschrieben. Es gehe nicht, wie schon so oft beschrieben, um den Leidensweg eines Aids-Kranken oder "jugendlichen Selbstmörders", sondern um einen Tod, wie er in der Realität weitaus öfter vorkommt. "Wie Polaroids eine Situation festhalten", so beschreibe Björn Kern in einzelnen Kapiteln den fortschreitenden Prozess der ungenannt bleibenden Krankheit und die Auswirkungen auf die Familie. Spinnler lobt die Sachlichkeit und die Genauigkeit des Autors, der gerade so den "richtigen, berührenden Ton" für dieses Thema finde. Dabei lasse der Autor nichts aus, auch nicht seinen anfänglichen Versuch sich aus der Verantwortung zu stehlen oder die Auseinandersetzung mit den komplizierten Vorschriften der Kranken- und Pflegeversicherungen, die fast schon etwas "Slapstickhaftes" habe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2006

Der junge Autor Björn Kern schildert in seinem zweiten Roman die Geschichte des gesundheitlichen Niedergangs einer Mutter und den Auswirkungen auf die Familie, vor allem auf den Sohn, der der Ich-Erzähler ist. Eine Muskelerkrankung zwingt die "lebensfrohe" Frau erst ins Bett, lähmt sie dann zusehends, bis sie sich in einem Maschinenpark wiederfindet, der nach und nach die Funktionen ihrer Organe übernimmt. Dargestellt werden mit psychologischer und sprachlicher Genauigkeit "das Schwanken zwischen Anteilnahme und Verdrängung" des Sohns, der Verlust der Außenwelt für die Beteiligten. Hier gibt es dann, bedauert die Rezensentin Sabine Doering, auch Schwächen. Manche der eingeführten Figuren bleibt so allzu blass oder zu schematisch. Für ganz große Literatur hält Doering das Buch wohl nicht, erkennt aber doch eine "respektable Stimme" und lobt die "teilweise beklemmende Präzision".
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