Aus dem Amerikanischen von Julia Wolf. Joy Williams' neue Short Stories handeln von seltsamen Kindern, Betrunkenen und Außenseitern, den in der Welt Querstehenden; von Einsamkeit, unerfüllten Sehnsüchten, dem Tod und den Tieren, denn sie sind "Gott näher als wir, doch für ihn sind sie verloren". Die Hoffnung liegt in Trümmern, und doch flackert auf diesen Seiten immer wieder Komik auf, ein Gelächter im Dunkel, die "spezifisch amerikanische Prägung von Witz, die aus Schmerz hervorgeht" (George Saunders).Hier ist eine Schriftstellerin, die tief ins "verwirrte und arglose Herz der Dinge" blickt. Und aus der Wildnis ihrer Prosa entkommt nichts und niemand unversehrt.
"Cool und zeitlos" ist Joy Williams nach wie vor, befindet Rezensentin Meike Feßmann: Sie schafft es nach wie vor, menschliche Leben auf einen entscheidenden Moment zu verdichten, den sie dann in eine Geschichte verpackt. So zum Beispiel bei der 21-jährigen Protagonistin einer der Geschichten: Ihr Vater hat sie an jedem ihrer Geburtstage gefilmt, wie sie einen großen Kaktus umrundet und schließlich alle Jahre zusammengeschnitten, sodass sie jedes Mal größer und älter hinter der Pflanze hervorkommt - für sie ein Grauen, wie Feßmann schildert. Die Kurzgeschichten-Elemente Verdichtung, Verstörung und Verwirrung hat Williams voll drauf, befindet sie abschließend.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 11.10.2025
Rezensent Wieland Freund findet den Titel des zweiten Bandes mit Kurzgeschichten von Joy Williams passend gewählt, denn auch die inzwischen 81-jährige Schriftstellerin mag es "schmucklos und direkt". Davon überzeugt sich der Kritiker einmal mehr in den Geschichten, deren Worte "Die Abgründe gefährlicher, geduldiger Tiere" annehmen, wie Joy selbst in einer der Stories schreibt. Allerhand kluge Tiere und dumme Menschen begegnen dem Rezensenten hier, der den harten Geschichten immer auch einen Funken Weisheit abgewinnt.
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