Unsere Fremden
Stories

Droschl Verlag, Graz 2024
ISBN
9783990591659
Gebunden, 312 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Jan Wilm. In diesen Short Stories werden Gespräche belauscht und falsch verstanden. Ein Eilbrief wird mit einem seltenen weißen Schmetterling verwechselt. Über zig Ecken werden an den Haaren Gründe herbeigezogen, weshalb die Erzählerin Anspruch auf einen gewissen Berühmtheitsgrad besitzt. Dahingemurmeltes im Gespräch zwischen Mann und Frau erzeugt herrlichste Situationskomik à la Loriot. Fremde können zu Familienmitgliedern werden und Familienmitglieder zu Fremden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.11.2024
Für Rezensentin Marie Schmidt gehören die kurzen Geschichten von Lydia Davis auf jeden Wunschzettel, sorgen die Kurz- und Kürzeststories laut Schmidt beim Leser doch für Ruhe und ein Gefühl für den Kitt der gerade nicht eben stabil wirkenden Welt. Wenn Davis das Beiläufige transparent macht auf Sehnsüchte und Hoffnungen der Menschen, ahnt Schmidt, wie das geht: Davis' Arbeit als Übersetzerin macht sie so sensibel für die Durchlässigkeit von Sprache. Reduzierter und zugleich erstaunlicher kann man darüber kaum schreiben, findet die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2024
Lesespaß in Kurzform bietet auch dieser Band mit Texten von Lydia Davis, versichert uns Rezensent Jan Wiele. Obschon oft nicht länger als eine Seite, stecken ganze Romane in diesen Kurzgeschichten, erläutert Wiele, allerdings ungeschriebene, im ersten des Bandes, "Meine Aktentasche" überschrieben, zum Beispiel eine Campuskomödie. Oft geht es um das Leben als Künstler in diesen ansonsten durchaus vielseitigen Erzählungen, die sich laut Wiele außerdem durch Humor und geschickte Verweise auf andere Autoren auszeichnen. Auch der Übersetzer Jan Wilm wird vom insgesamt rundum zufriedenen Rezensenten gelobt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 07.09.2024
Für die herausragenden Kurzgeschichten von Lydia Davis bräuchte es die Bezeichnung "davisesk", stellt Rezensent Ulrich Rüdenauer bei der Lektüre ihres neuesten Bandes fest: Alltagsmomente und -beobachtungen werden hier dramatisch verknappt und lassen Abgründe des Menschlichen erkennen. Einflüsse zwischen französischer Avantgarde und Schweizer Autoren werden für Rüdenauer deutlich, aber auch Davis' Humor, wenn es um zwei Frauen geht, die im Gespräch über Regenmäntel feststellen, dass es nicht notwendig einer von Burberry sein müsse. Auch die Beobachtungen zum Älterwerden finden die Anerkennung des Kritikers, auch wenn nicht alle der rund 150 Texte gleich gut sind, bieten sie eine "geradezu mediatitive Einführung in die Rätsel des Alltäglichen."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2024
Die Kurzgeschichten von Lydia Davis sind so kurz, dass das Label Kurzgeschichte oft kaum noch passt, meint Rezensent Paul Jandl. Manche sind, führt Jandl aus, nur ein paar Zeilen lang, und oft beschreiben sie eher Situationen, als dass sie Geschichten erzählen. Grandios sind diese Texte, in denen Menschen oft über Liebe reflektieren, allemal, stellt der Rezensent klar, zum Beispiel darin, wie sie aus dem Misslingen von Kommunikation große Kunst machen. Pointen benötigt Davis für ihre präzise Sprachkunst laut Jandl nicht, wobei zwei der etwas längeren in diesem Band enthaltenen Geschichten durchaus lustig sind, so etwa eine, die sich um einen Toilettenbesuch im Zug dreht. Ein glücklich machendes Buch über den Mangel an Sinn, so Jandls begeistertes Fazit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.08.2024
Das menschliche Leben in "Nussschalen aus Sprache" - so beschreibt Rezensentin Sylvia Staude die Kurz- und Kürzestgeschichten von Lydia Davis - Meisterin der Verknappung. In oft nur wenigen Zeilen erzählt die US-Amerikanerin alltägliche Szenen, die jedoch eigene Erfahrungen der Lesenden anklingen lassen und so auf den leeren Seiten darunter Hallräume finden, in denen sich ihre ganze Kraft, ihr Bedeutungsspektrum entfalten kann. Davis' Sprache ist reduziert. Filmisch fast beschreibt sie lediglich, was wahrzunehmen ist, lesen wir. Dadurch erzeugt sie eine Distanz, aus der das Erzählte zugleich vertraut und doch befremdlich wirkt und dadurch nach umso größerer Aufmerksamkeit verlangt. Dabei entwickelt sie immer wieder auch eine erstaunliche Lakonie und eine wunderbare Selbstironie. Ja, komisch, humorvoll sind ihre Geschichten, aber immer wieder auch seltsam, irritierend, und manchmal traurig - wie das Leben eben, so die berührte Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.08.2024
"Vom Dosenschinken bis zum Ehestreit"- Lydia Davis erzählt vom eigentlich Alltäglichen, das zu Literatur erhoben jedoch plötzlich in einem anderen, oder "nur" helleren (?) Licht erscheint, meint Rezensentin Manuela Reichart. Ein Callcenter-Gespräch, ein Streit über eine Kokosnuss, eine alte Frau, die zu Thanksgiving Dosenfleisch kauft - plötzlich werden diese Szenen zu "verwirrenden und amüsierenden" Geschichten, stellt Reichart fest. Das Beeindruckendste daran ist: Davis braucht oft nur wenige Zeilen, um ein ganzes Spektrum von Assoziationen und Gefühlen aufzufächern. So erweist sie sich hier einmal mehr als eine, nein die Meisterin der Verdichtung. Als "tänzerisch" wurde ihr Stil einmal im New Yorker beschrieben, erinnert sich Reichart und übernimmt den Vergleich für eine Prosa, die das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen aufzeigt, so die entzückte Rezensentin. Der Bewegungsapparat und seine Bewegungen sind uns vertraut, und doch erkennen wir im Tanz etwas, das uns sonst verborgen bleibt.