Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2005
Recht angetan zeigt sich Wolfram Kinzig von Christoph Markschies' Essay, der die titelgebende Frage "Warum hat das Christentum in der Antike überlebt?" zu beantworten sucht. Dass Markschies sich gegen die verbreitete Krisenthese - sie besagt, dass die Kultur der ausgehenden Antike in eine religiöse Krise geraten sei, die sich das Christentum mit letztlich geschickt geklauten Sinnstiftungsangeboten zunutze gemacht habe - wendet, um stattdessen ein ganzes Netz von Gründen anzuführen, findet Kinzig sehr begrüßenswert. Er würdigt die "bewundernswerten Belesenheit" des Autors, der die Früchte der Forschung einsammle und sie mit einer Vielzahl anderer Disziplinen - von der Religionssoziologie bis zur Hirnforschung - ins Gespräch zu bringen suche. Anhand zahlreicher Beispiele verdeutliche der Autor einaml mehr die bereits von Henry Chadwick vertretene These, das Christentum habe zu einer Humanisierung der Gesellschaft geführt. Kinzig hebt hervor, dass sich der Kirchenhistoriker und Theologe zu Recht gegen Versuche wehrt, das kausale Denken zu verabschieden und gar ein unmittelbar historisch aufweisbares göttliches Eingreifen in die menschliche Geschichte anzunehmen. Zugleich aber warne er auch davor, die menschlichen Möglichkeiten bei der Rekonstruktion historischer Kausalketten zu überschätzen.
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