Volker Leppin

Ruhen in Gott

Eine Geschichte der christlichen Mystik
Cover: Ruhen in Gott
C.H. Beck Verlag, München 2021
ISBN 9783406773754
Gebunden, 476 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Mit farbigen Abbildungen. Griechische Mönche gelangten durch Askese zur Ruhe in Gott, Bernhard von Clairvaux ließ sich vom Gekreuzigten umarmen, und Mechthild von Magdeburg gab sich ihrem Bräutigam Christus hin. Volker Leppin erzählt die Geschichte der christlichen Mystik ganz neu, indem er die Mystik, verstanden als die Suche nach der unmittelbaren Nähe Gottes, im Zentrum des Christentums verortet - und nicht an seinen Rändern. Seine  Darstellung bietet damit zugleich einen frischen Blick auf das Christentum insgesamt, das bis heute die Mystik als treibende Kraft braucht. Mystikerinnen und Mystiker fühlten sich Gott so nah, dass Unterschiede zwischen Klerikern und Laien, Männern und Frauen für sie hinfällig wurden. Oft hing es von Zufällen ab, ob sie deshalb als Reformer und Erleuchtete verehrt wurden wie Franziskus von Assisi und Hildegard von Bingen oder in Ketzereiverdacht gerieten wie Marguerite Porete und Meister Eckhart. Volker Leppin zeigt in seiner glänzenden Darstellung, wie die frühchristliche Lehre in Verbindung mit der platonischen Philosophie mystische Weltbilder und Heilswege geformt hat, die zum Kern orthodoxer Spiritualität wurden, im Westen aber hoch umstritten blieben, auch im Protestantismus. Dass die Mystik im 19. und 20. Jahrhundert für antimoderne Ideologien eingespannt wurde, hat sie erneut suspekt gemacht. Doch die Frage nach Gemeinsamkeiten mit anderen Religionen und eine wachsende Distanz zur Kirche zeigen, dass Mystik für das Christentum gerade in der Moderne überlebenswichtig ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2021

Rezensentin Isabella Mandrella liest Volker Leppins Abhandlung durchaus mit Gewinn, aber nicht als Geschichte der Mystik. Was Leppin über christliche Frömmigkeit zu sagen hat, findet sie interessant, was die Mystik angeht, bleibt der Begriff jedoch konturlos, bedauert sie. Das liegt laut Mandrella an der historisch-chronologischen Anlage des Bandes, die zwar die Lektüre erleichtert, aber auch Monotonie befördert, wie sie findet. Ein systematischer Blick hätte die Unterschiede zwischen Mystik und Frömmigkeit herausarbeiten können, meint sie, stattdessen ebnet die Darstellung Trennlinien ein. Eine klare Konturierung der unio mystica als Element der Mystik bleibt im Buch z. B. aus, stellt Mandrella enttäuscht fest.
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