Fundamentalisten - das sind immer die Anderen. Also diejenigen, die ihre Überzeugungen nicht der Diskussion, dem Zweifel aussetzen wollen und die Mitmenschen zu einer Lebensführung nach ihren Vorstellungen zwingen. Also die intoleranten, bärtigen Finsterlinge im Nahen Osten, ein paar vatikanische Hinterwäldler oder die amerikanischen Sektengurus, die im 20. Jahrhundert beginnen, sich den Errungenschaften der Moderne zu widersetzen. Christoph Türcke bricht radikal mit diesem Klischee. Er zeigt, dass der Fundamentalismus seine Wiege im christlichen Westen hat, wie die Macht des Westens wirksam ist, wo immer die großen monotheistischen Religionen ihre eigenen Fundamentalismen hervorbringen, wie sie sich gegen den Strudel des Nihilismus wehren, in den sie hineingerissen werden - und wie dieser Nihilismus seinerseits fundamentalistische Züge anzunehmen beginnt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Florian Coulmas zufolge geht Christoph Türcke in seiner Analyse des Fundamentalismus über bloße "Kommentare zu den geistigen Hintergründen" der Anschläge auf das World Trade Center hinaus. Denn schon früh "wendet sich Türcke vom Islamismus ab und den Wurzeln des Fundamentalismus zu". Der Autor zeigt "überzeugend", findet der Rezensent, dass eben diese "in der christlichen Welt, in Amerika nämlich" liegen, wo sich im frühen zwanzigsten Jahrhundert "protestantische Männer voll Stolz als Fundamentalisten bezeichneten". Ähnlich dem sich fast zeitgleich regenden Zionismus predigten auch sie die "Rückkehr zu den Fundamenten des Glaubens". Wie der Rezensent Türckes Gedanken nachzeichnet, sei der Islamismus ein Nachzügler unter den Fundamentalisten und deshalb "besonders radikal", weil er auf eine Erschütterung von außen zurückzuführen sei, was Coulmas allerdings nicht weiter erklärt. Wenn auch manche Bezüge "gewagt" seien, sei die Lektüre des Buches nie uninteressant, die Hauptthese, der Fundamentalismus sei "eine Form des Nihilismus oder dessen Kehrseite", findet Coulmas "griffig und prägnant".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2003
Der mit "upj" zeichnende Rezensent stellt eine interessante, wenn auch streitbare These des Philosophen Christoph Türcke vor, in der dieser Fundamentalismus mit Nihilismus gleichsetzt. Der Begriff Fundamentalismus umfasse bei ihm allerdings nicht nur den viel diskutierten islamischen Fundamentalismus, sondern gleichfalls den kapitalistischen Fundamentalismus der westlichen Welt. Der Philosoph vertrete die These, dass man entweder beide Arten des Fundamentalismus gutheißen oder bekämpfen müsse, in einem Fall so, im anderen Fall anders zu handeln, sei hingegen nicht möglich, da sich "der fundamentale Glaube und die diskursive Vernunft" gegenseitig ausschlössen. Diese These allerdings klassifiziert der Rezensent ebenfalls als fundamental.
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