Aus dem Englischen von Matthias Müller. Am 20. September 1947 schifft sich Christopher Isherwood zusammen mit dem Fotografen William Caskey in New York ein, um den südamerikanischen Kontinent zu bereisen. Entdeckt haben sie einen Kontinent voller Gegensätze. Schneeberge, die senkrecht aus dem Dschungel ragen, und Gletscher, die über Bananenplantagen hängen. Kondore, die über Kühen kreisen. Flugzeugpassagiere, die auf Packkarawanen von Lamas hinabblicken. Brandneue Cadillacs, die Maultiere von der Straße hupen. Aber auch einen Kontinent voller Gewalt. Ein falsches Wort, und ein Messer wird gezückt. In einer glasklaren, bildmächtigen Sprache erzählt Christopher Isherwood von seinen Abenteuern in Südamerika. Entstanden ist ein Reisetagebuch, das uns einen Kontinent vor Augen führt, der lange Zeit als unregierbar galt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.08.2013
Schon vor fünfundsechzig Jahren stellte sich der Gattung der Reiseschriftsteller ein ernstzunehmendes Problem, weiß Rezensent Kersten Knipp: es war schon alles gesagt worden. Umso mehr freut sich der Rezensent über die ironische Distanz, die Christopher Isherwood zu den üblichen Floskeln und Gemeinplätzen des Genres hält. Sein "wunderbar nüchterner Ton" erlaubt es ihm, auch mal persönlichere Empfindungen zu äußern, ohne dass sie beim Rezensent Unbehagen auslösen: etwa der Gedanken, bei einem kühlen Bier im Hafen der Insel Curaçao notiert, dass man hier doch gerne ewig bleiben würde, um anschließend die Lagertanks von SHELL zu beschreiben, die den Bericht schnell in die Realität zurück holen. "Kondor und Kühe" heißt die Übersetzung von Isherwoods Reisenotizen, die der Autor auf seiner damaligen Südamerikareise anfertigte, und sie sind von Matthias Müller hervorragend ins Deutsche übersetzt worden, lobt Knipp.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.04.2013
Tobias Döring freut sich sehr darüber, dass sich endlich auch andere Werke Christopher Isherwoods hierher verirrt haben, der Autor habe schließlich nicht nur "Cabaret" geschrieben. In "Kondor und Kühe" schildert Isherwood in "lebendigem Tagebuchstil" eine Reise von Kolumbien über Ecuador, Peru und Bolivien bis nach Argentinien, die er zwar ohne Spanischkenntnisse, aber "mit Schreibmaschine im Gepäck" antrat, berichtet der Rezensent. Isherwood hat ein packendes Porträt einer Welt entworfen, die mit einem Fuß noch in der kolonialen Vergangenheit steht, mit dem anderen aber schon kräftig ausschreitet, erklärt Döring, der sich wünscht, dass dieses Buch auch den anderen Werken des Autors zu größerer Aufmerksamkeit verhilft.
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