Aus dem Spanischen von Elke Wehr. Mit einem Nachwort von Juan Villoro. Als Junge träumt Silvio Astier davon, edler Bandit zu werden, verworfener Dichter oder aber großer Erfinder. An der erniedrigenden Existenz im Vorort von Buenos Aires jedoch prallt sein Lebensdrang immer wieder ab. Als er sich um alle Möglichkeiten betrogen sieht, treibt er sein Leben durch den Verrat eines Kumpels auf die Spitze: eine Selbstrettung durch das Böse. Erbittert unharmonischer Entwicklungsroman, der den Furor des Lebendigseins feiert; harscher Schnitt in eine soziale Randwirklichkeit in einer expressiven, radikal subjektiven Sprache - das ist "Das böse Spielzeug" von 1926, mit dem der literarische Außenseiter Roberto Arlt (1900-1942) den südamerikanischen Roman revolutionierte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2007
Düstere, zynische Romane voller Weltekel und Finsternis, wie sie zur Zeit in Lateinamerika offenbar Konjunktur haben, können auf eine "große Tradition" zurückgreifen, wie Kersten Knipp jetzt mit dem bereits 1926 erschienenen "Das böse Spielzeug" von Roberto Arlt untermauert sieht. Im Zentrum des Romans steht der Ich-Erzähler Silvio Astier - ihm lassen sich zumindest teilweise autobiografische Züge des argentinischen Autors zuschreiben -, der auch durch eine Kette von gescheiterten und gelungenen Verbrechen nicht aus seiner materiellen und emotionalen Schieflage herauskommt, erklärt der Rezensent. Trotz des offenen Endes des Romans führt das Leben des Helden ins "Nichts", konstatiert Knipp, der kein explizites Lobeswort hören lässt, aber insgesamt eingenommen scheint.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.03.2007
Entschieden modern sind die Helden bei Roberto Arlt, inkonsequent, chaotisch und widerspruchsvoll, erläutert der kenntnisreiche Rezensent Hans-Peter Kunisch. In Argentinien gilt der 1900 geborene Arlt als Begründer des Großstadtromans, so Kunisch. Juan Carlos Onetti schätzte ihn. Arlt war auch Journalist, "eine Art Joseph Roth Argentiniens", der Motive für seine Romane zunächst in einer Zeitungskolumne verarbeitete. Kunisch beschreibt den Weg von Arlts Held Astier durch die Niederungen des Erwerbslebens in der großen und sonnigen Stadt Buenos Aires: vom Flickschuster über einen "Klub der Diebe" zu einem Papierhändler. Am Ende steht das ebenfalls hochmoderne Motiv des Verrats an einem Freund, mit dem sich Astier eine Existenz erkauft. Kunisch zitiert auch einen Satz Arlts, der ihn an den frühen Musil erinnert: "Öde und hässlich wie ein nacktes Knie ist meine Seele."
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…