Das Buch zum Film

Jung und Jung Verlag, Salzburg 2025
ISBN
9783990274286
Gebunden, 192 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Clemens J. Setz ist ohne jeden Zweifel einer der wichtigsten Autoren, die wir gegenwärtig haben - und es gibt gute Gründe anzunehmen, dass das schon so war, bevor er sein erstes Buch veröffentlicht hat. Wer seine Aufzeichnungen liest, befindet sich schnell im selben Kopf, im selben Kosmos, zu dem man sonst nur durch seine Bücher Zugang bekommt. Diese Aufzeichnungen umspannen ein Jahrzehnt, in dem aus dem Schüler ein unterforderter Student, ein überforderter Zivildiener in einem Behindertenwohnheim und endlich ein gefeierter Schriftsteller wird. Mit Staunen bewegt man sich beim Lesen durch eine Welt wundersamer Erscheinungen und exquisiter Fundstücke.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2025
Rezensent Jan Wiele freut sich, dass Clemens Setz montiertes Tagebuch der Jahre 2000 bis 2010 nun erscheint und einen neuen Blick ermöglicht auf die Schriftsteller-Werdung des Büchnerpreisträgers 2021. Wir erfahren, dass eine traumatische Kindheit den Grundstein fürs Schreiben gelegt hat und lesen von der Beziehung, die er mit einer schwer psychisch kranken Frau geführt hat, jede von Schuldgefühl geprägte Entfernung von ihr wurde zu "Zeilen eines minutenlang erblühenden Gedichts", lesen wir. Dem Kritiker gefällt die Auswahl aus Gedichten, längeren Geschichten und kurzen Notaten, die auch Einflüsse wie die von Lydia Davis offenbart.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.10.2025
Rezensent Andreas Lesti berichtet von einer durch ein defektes iPad erschwerten Lektüre, die ihm das neue Buch von Clemens Setz aber auch auf merkwürdig-schöne Weise nahebringt: Wie von selbst markiert das Tablet den Satz "Anschreien gegen den fressfeindförmigen, hitlerfarbenen Himmel". Ähnlich entrückt wie dieser Satz ist für Lesti ein großer Teil der hier versammelten Texte, die zwischen 2000 und 2010 entstanden sind, aber sie zeigen ihm auch die "Autorwerdung" des großen Schriftstellers. Mit Beginn seines Zivildienstes 2000 geht es los: Er schreibt von seiner Überforderung mit den Heimbewohnern der "S-Klasse", Schwerbehinderte, vom gewalttätigen Vater und der psychisch kranken Freundin. Der Kritiker sieht hier, wie der ziemlich problemreiche Lebensweg in große Texte verwandelt wird und ist froh, dass dieser Band veröffentlicht wurde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025
Rezensent Thomas Steinfeld findet in zwei Neuerscheinungen von Clemens J. Setz etliche Gründe, diesen Autor "zu schätzen". Diese zwei sehr unterschiedlichen und einander doch ergänzenden Bücher, so Steinfeld, markieren die Pole, zwischen denen sich Clemens J. Setz souverän wie kaum ein anderer schreibend und forschend bewegt. In dem einen tritt er als poesiebegabter Gelehrter auf, um seinen Leserinnen und Lesern einen lange schon kanonisierten Dichter näher zu bringen, mitsamt all des literaturwissenschaftlichen Werkzeuges, was man dazu brauchen kann. Dabei tritt er nicht in Konkurrenz zu anderen Biografien, sondern erschließt stattdessen einen anderen, kürzeren Zugang zu Rilkes Werk, den Zugang über seine eigene begeisterte Lektüre, lesen wir. Im zweiten Buch zeigt sich Setz als gelehrter Poet: In lose verbundenen, persönlichen Notizen erzählt er vom Aufwachsen dieses Poeten, wobei der Rezensent gewisse Gemeinsamkeiten zum Gegenstand der anderen "100 Seiten" feststellt - wenn Setz etwa Rilkes literarisches Verfahren beschreibt, so trifft diese Beschreibung laut Steinfeld auch auf Setz' eigenes Werk zu. Zwei sehr erstaunliche und eigenwillige Bücher über zwei erstaunliche, eigenwillige Dichter, so könnte man resümieren.