Peter Sloterdijk

Neue Zeilen und Tage

Notizen 2011-2013
Cover: Neue Zeilen und Tage
Suhrkamp Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783518428443
Gebunden, 540 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Peter Sloterdijk steht tagtäglich Sinn und Zweck des tagtäglichen Mitnotierens der Zeit und der Leute vor Augen und erklärt sich in gewohnt ironischer Weise: "Wozu? Wahrscheinlich lebe ich unter dem Auge eines transzendenten Beobachters, der von mir keine besonders hohe Meinung hat. Mein innerer Beobachter ist kein Publizist." Folglich unterscheiden sich seine Notizen von denen der Blogger und netz-öffentlichen Tagebuchschreiber durch analytische Präzision, Wortmächtigkeit, Sprachbewusstsein, Gelehrtheit, Aphorismen, Humor, lyrischen Tonfall …  

Wenn also Goethe Neue Lieder, wie Heine und Rilke Neue Gedichte veröffentlicht, dann kann Peter Sloterdijk Neue Zeilen und Tage publizieren. Sie begründen, im Kontrast zu Sudelbüchern, Skizzenbüchern, Ideensammlungen, ein eigenes Genre mit Namen: Archivierung des gelebten und reflektierten Tages.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 25.01.2019

Walter van Rossum kanns nicht fassen: 500 Seiten und nicht ein überraschender Gedanke oder Widerspruch! Dass Peter Sloterdijk in seinen Tagebüchern großdenkerisch zu Werk gehen würde, hatte der Rezensent ja geahnt, dass der Autor darunter nunmehr nur Kalendersprüche für den Bildungsbürger versteht, macht ihn fast trübsinnig. Statt auf intelligente politische Argumentation (etwa betreffend die Ermodrdung Osama Bin Ladens) trifft er hier nur auf "Weltanschauungsgemurmel" und langatmige "Gesinnungsexerzitien". Von den angekündigten Höhenkämmen a la Valery keine Spur, bedauert der Rezensent. Nur wer den Autor auf Ehrenrunden und zu Lorbeerveranstaltungen durchs Land begleiten mag, ist hier richtig, meint er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.10.2018

Der hier rezensierende Kunsthistoriker und Kulturtheoretiker Wolfgang Ullrich liest Peter Sloterdijks Tagebücher der Jahre 2011-2013 vor allem als philosophische Journalistik. Dass der Autor diesmal weniger die intellektuelle Komödie anstrebt, sondern den biederen Chronisten der Medienerregung gibt, bedauert Ullrich. Wenn der Autor die Homo-Ehe, Jürgen Habermas, die Ära Obama oder den Fall Strauss-Kahn kommentiert, kommen Ullrich die Texte zudem mitunter arg veraltet vor. Trump und MeToo haben die Welt verändert, erkennt er. Dass der Autor darauf nicht wenigstens hinweist, empfindet Ullrich als Manko.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2018

Rene Scheu lauscht mit Entzückung, wenn Peter Sloterdijk über das Feuer des Denkens und die Kraft zur Selbstdistanz spricht. Daran, dass der Autor dergleichen nicht nur predigt, sondern lebt, und zwar bis zur Belastungsgrenze, hat er keinen Zweifel. Auch, den Einwurf, dass hier einer Nabelschau betreibt, möchte Scheu nicht gelten lassen. Die Texte aus der Zeit zwischen Mai 2011 und September 2013 zeigen den Philosophen laut Scheu zwar in seinen menschlichen-allzumenschlichen Dimensionen, doch statt Exibitionismus biete der Autor wildes Denken in sprachlich vergnüglichem Gewand, meint er. Wie hier einer dauernd an der eigenen Form arbeitet, ob beim Fernsehen oder Radfahren, scheint Scheu bemerkenswert. Denkathletik at its best, findet er.

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