Konsum in der langen Geschichte der "Wende"Der Wunsch nach Konsumgütern gilt als ein zentrales Motiv für die Beteiligung politisch unauffälliger Bevölkerungskreise an den Protesten im Herbst 1989. Trotz der gesicherten Grundversorgung war der Konsum in den 1980er-Jahren geprägt von Engpässen und sozialer Ungleichheit, die viele Menschen als ungerecht wahrnahmen. Die SED büßte an politischer Legitimität ein, weil es ihr nicht gelang, im Alltag als gerechtigkeitsstiftende Institution aufzutreten. Stattdessen gewann die westdeutsche Marktwirtschaft an Attraktivität. Ausgehend von mehr als 150 sozialwissenschaftlichen Interviews aus den 1990er-Jahren erzählt Clemens Villinger die lange Geschichte der "Wende" am Beispiel der Konsumfelder Ernährung und Wohnen und zeigt, wie Menschen in dörflichen Regionen, Klein- und Großstädten ökonomischen Wandel vor, während und nach 1989/90 gestalteten und bewerteten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.10.2022
Rezensent Jens Balzer bekommt mit Clemens Villingers Studie eine sehr brauchbare Ergänzung zu Arbeiten über die ostdeutsche Transformationsgesellschaft. Wer sich durch die nicht unbedingt leserfreundliche Arbeit auf Grundlage einer Dissertation "hindurcharbeitet", wird laut Rezensent belohnt mit einer Konsum- und Wissensgeschichte, die deutlich macht, wie die Mangelwirtschaft in der DDR das Vertrauen der Bürger in den Staat zerstört hat. Wie sich Kenntnisse der Subsistenzwirtschaft im Lauf der politischen Transformation in Kenntnisse über die neuen Konsumverhältnisse wandelten, darüber liest Balzer mit Spannung.
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