Vom Kommunisten zum Unternehmer, vom Kombinat zum eigenen Betrieb? Mit dem Beitritt der DDR in den Geltungsbereich des Grundgesetzes wurde auch das System der "sozialen Marktwirtschaft" übernommen. Doch woher sollten in einem vormals sozialistischen Land die Unternehmer kommen? Die Akzeptanz des neuen politischen und ökonomischen Systems hing entscheidend von seiner regionalen Verankerung ab. "Mittelstand" war das Zauberwort, das für die Stärke der westdeutschen Volkswirtschaft stand. Mit der Privatisierung der ostdeutschen Staatsbetriebe durch die Treuhandanstalt bot sich die einmalige Chance, das vermeintliche Erfolgsmodell in Rekordzeit auf Ostdeutschland zu übertragen. Es handelte sich um ein soziales Experiment par excellence, das Max Trecker an der Schnittstelle von Wirtschaft und Gesellschaft genau analysiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2023
Rezensent Hartmut Berghoff liest in diesem Buch von Max Trecker, das auf Studien des Instituts für Zeitgeschichte beruht, Interessantes über die Entwicklung der ostdeutschen Wirtschaft nach dem Mauerfall. Die im Titel angekündigte Analyse des Mittelstandes verfehlt das Werk aber, findet der Rezensent. Mit dem Zusammenbruch der DDR wurden viele vorher verstaatlichte Unternehmen an Privateigentümer zurückgegeben, informiert der Kritiker, das führte zunächst dazu, dass sich in Ostdeutschland eine erstaunlich "vitale, überwiegend mittelständisch strukturierte Unternehmenslandschaft" bildete. Mit der Gründung der Treuhandanstalt, die durch ihre Strukturen Großunternehmen begünstigte, verlangsamte sich diese Entwicklung stark. Die Ausführungen Treckers zur Treuhand sind aufschlussreich, lobt Berghoff, allerdings wird das Thema Neugründungen von Unternehmen außen vor gelassen und Unternehmer selbst nur "als Objekte, nicht aber als Akteure" geschildert. Die Geschichte des Mittelstandes in Ostdeutschland ist damit noch nicht geschrieben, stellt der Kritiker abschließend fest.
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