Colin Walsh

Kala

Roman
Cover: Kala
Gutkind Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783989411302
Gebunden, 512 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Andrea O'Brien. In der Küstenstadt Kinlough an der Westküste Irlands treffen drei alte Freunde nach Jahren wieder aufeinander. Im Sommer 2003 gehörten Helen, Joe und Mush zu einer unzertrennlichen Clique um die mutterlose und ungestüme Kala Lanann - das strahlende Zentrum ihres Universums. Bis sie kurz darauf spurlos verschwand.15 Jahre später kehrt Helen widerwillig für eine Hochzeit nach Irland zurück. Joe, ein berühmter Musiker, ist ebenfalls in der Stadt. Und Mush hat es nie aus Kinlough herausgeschafft. Dann werden menschliche Überreste im Wald gefunden. Als Gegenwart und Vergangenheit aufeinanderprallen, müssen sich die einstigen Freunde ihrer Schuld stellen. Welche Rolle haben sie bei Kalas Verschwinden gespielt?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.03.2026

Rezensent Thomas Wörtche wundert sich ein wenig über das aufgehellte Ende in Colin Walshs Noir von der irischen Westküste. Die Geschichte um eine Clique Jugendlicher, die mit dem Verschwinden einer jungen Frau endet, rollt der Autor von der 15 Jahre später spielenden Jetztzeit des Romans her auf, erläutert Wörtche. Dabei greift er laut Wörtche auf Cliffhanger und andere erzähltechnische Finessen zurück und beschleunigt das Tempo und verhärtet den Ton zunächst zunehmend, bis Gewalt und die umfassenden Beschädigungen aller Beteiligten in der Verschmelzung von Vergangenheit und Gegenwart offenbar werden. Dass der Schluss dennoch versöhnlich ist, deutet Wörtche als Zugeständnis an unsere finstere Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.03.2026

Rezensentin Sylvia Staude zeigt sich sehr überzeugt von diesem spannenden wie tiefgründigen Debütroman des irischen Autors. Darin entfaltet er eine psychologisch versierte Coming-of-Age-Geschichte vor einem Krimi-Hintergrund: Im Jahre 2003 verschwindet die fünfzehnjährige Katherine "Kala" Lannan im irischen Kinlough, erzählt uns die Kritikerin. Fünfzehn Jahre später treffen sich Kalas Freunde, Joe, Mush und Helen, wieder in jener Stadt und blicken auf die Vergangenheit zurück, während sie immer noch Vermutungen über Kalas Verbleib anstellen, teilt uns Staude mit. Das Krimi-Gerippe des Textes ist für die Rezensentin lediglich der Anlass für die gelungene Ergründung der komplexen Figurenbeziehungen. Sie verweist darauf, dass der Autor bereits mit der bekannten Krimi-Autorin Tana French verglichen wurde, was für Staude jedoch zu kurz kommt, findet sie doch die Sprache des Autors stilsicherer, riskanter und bildhafter. Gleichsam en passant webt der Autor in die dichte Atmosphäre seines Textes zudem noch Beobachtungen über die Abgründe der irischen Gesellschaft ein, über die korrupte Polizei und das provinzielle Spießertum mancher Ortschaften, analysiert die Kritikerin. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.2026

Katrin Doerksen erfährt mit Colin Walshs neuem Roman einiges über die Romantisierung der Jugend. Es geht um den Rückblick auf einen Sommer, als eine Handvoll Freunde 16 waren und eine aus ihrer Mitte spurlos verschwand. 15 Jahre später wird die Geschichte wieder aufgerollt - laut Doerksen aus drei verschiedenen Perspektiven. Dass der Autor in seinem Krimi keinen Topoi der irischen Literatur von Alkoholproblemen bis Missbrauch auslässt, scheint Doerksen nur geringfügig zu stören. Zu stark erscheint ihr der Autor darin, die Teenagerzeit seiner Helden (und ihre Nostalgie) einzufangen. Dass in der Story das Gestern das Heute heimsucht, hätte der Roman vielleicht gar nicht nötig gehabt, überlegt die Rezensentin.

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