Wie im ganzen Europa der Zwischenkriegszeit hatten auch in Sowjetrussland, als Folge der tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüche, Jugendmythen Konjunktur. Zwischen der jungen Sowjetmacht und der Jugend des Landes entwickelte sich eine Wechselbeziehung: Einerseits fiel die radikale gesellschaftspolitische Utopie der Bolschewiki bei der Jugend auf fruchtbaren Boden, andererseits suchten die neuen Machthaber die Unterstützung der jungen Generation und sahen in ihr den Garanten für die Zukunft ihres gewaltigen Umbauprojektes. Mit der vorliegenden Arbeit wird erstmals in ihr nachgezeichnet, wie sich im Zeitraum zwischen Oktoberrevolution und Frühstalinismus ein Bild von der Sowjetjugend und damit verbunden eine Jugendkultur und ein Jugendkult sowjetischer Prägung herausbildeten. Mit der Frage nach der Konstruktion des sowjetischen Jugendbildes und nach den Strategien zur Schaffung einer staatlichen Jugendkultur ordnet sich diese Arbeit in die kulturhistorische Forschung zur frühen Sowjetzeit ein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2005
Recht aufschlussreich findet Kerstin Holm diese Dissertation Corinna Kuhr-Korolevs über die Bildung des sowjetische Erziehungsprogramms und seine Wandlung in der frühen Stalinzeit. Mit ihren Untersuchungen zur Kinderpsychologie und Pädagogik, Körperkultur, zu Jugendmedien und -literatur eröffne die Autorin ein "breites Panorama". Holm berichtet über Lenins Selbsterziehungsappell, wonach die junge Elite fleißig arbeiten und sich zugleich bilden sollte. Allerdings blieben Suff und "sexy" Kleidung auch in der kommunistische Jugendorganisation Komsomol ein Problem, und so endete mit dem ersten Fünfjahresplan der relative Liberalismus und die Utopie von der Selbstvervollkommnung zugunsten von Erziehungskonzepten, die Druck und Kontrolle von außen favorisierten. Wie Holm weiter berichtet, waren auch die Jugendpresse, über deren Ausgaben, Kompetenzen und Auflagen Kuhr-Korolev erschöpfende Statistiken ausbreite, sowie die Literatur wichtige Instrumente der Erziehung. Idealtypisch habe etwa Alexander Scharow, der "Hofdichter" des Komsomol, die "Kunst der naiv begeisterten Autosuggestion" beherrscht. Wesentlich bedeutender erscheint Holm dagegen der Prosaschriftsteller Fjodor Gladkow, der in seiner Erzählung "Trunkene Sonne" die Schattenseiten der Sowjetjugend beleuchtet.
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