Hagelunwetter, Hungersnot und Pest: Die Bürger der Stadt Ravensburg werden im Jahr 1483 vom Unheil verfolgt. Der mächtige Kaplan der Stadt sieht darin ein Teufelswerk. Und er hat bereits eine Schuldige ausgemacht: die junge rothaarige Hebamme Luzia, die in seinen Augen eine Hexe ist. Sie verlässt sich bei ihrer Arbeit nicht auf Gebete, sondern auf die Kräuterheilkunde und ihren medizinischen Sachverstand. Damit rettet sie vielen Frauen und Neugeborenen das Leben. Damit fordert sie aber auch den Hass des mächtigen Kaplans heraus. Als ein Hagelunwetter und die Pest die Stadt verwüsten, holt der Kaplan den päpstlichen Inquisitor nach Ravensburg. Luzia wird der Hexerei angeklagt und in den Kerker geworfen. Einzig ihr Onkel und der Medicus Johannes von Wehr glauben an ihre Unschuld. Johannes bleiben nur wenige Tage, um Luzia, die Frau, die er liebt, vor dem Tod auf dem Scheiterhaufen zu retten.
Martin Walser liest einen Mittelalterroman über Hexenjagd - und ist begeistert. So begeistert, erzählt er, dass er das von Cornelia Haller zugeschickte Manuskript an den Verlag Hoffmann und Campe weitersandte und so für seine Veröffentlichung sorgte. Walser referiert ausführlich die Handlung von einer jungen Hebamme, die in Wasserburg am Bodensee (das den Rekord für Hexenverbrennungen hält, wie der Rezensent von seinem Geburtsort zu berichten weiß) in den Verdacht gerät, eine Hexe zu sein. Ein hochaktueller Stoff, findet Walser: Die Hexenverfolgung stellt er in eine Reihe mit den Völkermorden des 20. Jahrhunderts, und die Erfahrung der Heldin erinnert ihn an "Frauenerfahrungen überhaupt". Über das erzählerische Vermögen der Autorin, die ihn "zum glücklichen Leser" gemacht habe, kann der Rezensent nur staunen: "So viel Schönes neben so viel Schrecklichem!"
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