Während Ava Garcia um ihr inneres Gleichgewicht ringt und um die Entscheidung, ihr ungeborenes Kind zu behalten oder nicht, kämpft Paul Faber um ihre Liebe und eine gemeinsame Zukunft.
Angesiedelt im Nordwesten Schottlands sowie am Bodensee erzählt "Wild wie die Wellen des Meeres" die vielschichtige Beziehung zwischen den beiden Liebenden. Anna Stern folgt der Familiengeschichte von Ava Garcia bis weit in die Vergangenheit, parallel dazu schildert sie die Gegenwart von Paul Faber.
Ganz hingerissen ist Rezensentin Birgit Koß von diesem Roman um eine Biologiestudentin, die vor ihrem Kindheitstrauma und ihrem Partner auf eine entlegene Naturschutzstation in Schottland flieht. Allein wie die Autorin den Leser immer wieder auf falsche Fährten lockt, hat Krimi-Potenzial, findet Koß. Darüber hinaus aber staunt sie, wie Stern die Grenze zwischen Fantasie und Erinnerung auslotet, große Fragen stellt - und all das in eine "komplexe" Beziehungs- und Familiengeschichte packt. Die liebevolle, auch Fotos enthaltende Gestaltung des Buches und die eingewobenen Liedtexte von David Bowie oder Charles Aznavour machen die Kritikerin vollends glücklich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2019
Nicht vom "Rosamunde-Pilcher"-Titel abschrecken lassen, warnt Rezensent Andreas Platthaus, der Anna Sterns Roman für ein Meisterwerk hält - und im Vergleich zu Antje Ravic Strubels Roman "Sturz der Tage in die Nacht" und T. C. Boyles "Wenn das Schlachten vorbei ist" liest. Denn hier wie dort spiegeln die AutorInnen die privaten Krisen ihrer Helden in der Bedrohung der Vögel, die sie schützen wollen, erklärt der Kritiker, der Stern im Gegensatz zu Strubel und Boyle allerdings eine "verstörende Ernsthaftigkeit" attestiert. Mehr noch: Wenn die Autorin ihre Heldin Ava ganz behutsam in die schottische Abgeschiedenheit führt, fühlt sich der Rezensent an Werke des viktorianischen Zeitalters erinnert. Wie Stern darüber hinaus die Persönlichkeiten ihrer Figuren unter dem Mikroskop zerlegt und den Leser immer wieder mit überraschenden Wendungen in die Irre führt, hat Platthaus beeindruckt. "Pop-Anspielungen", "Pathos", "typografische Extravaganzen" und "Metafiktionen" zeigen dem Rezensenten außerdem, wie gut die Autorin postmodernes Erzählen beherrscht. Und Sterns "Wortreiche Wörterreiche. Weltenwolken" und "Ideenpaläste" vergisst Platthaus ohnehin nicht mehr.
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