Die Studie nähert sich dem Mnemosyne-Atlas und dem Passagen-Werk über einen Vergleich ihrer zentralen Bildbegriffe, dem Symbol bei Warburg und dem dialektischen Bild bei Benjamin. Entlang der Motivkomplexe Symptom/Erinnerung, Ausdruck/Leiblichkeit und Symbol/Allegorie sowie mithilfe von drei gemeinsamen Dritten - Freud, Cassirer und Goethe - rekonstruiert die Autorin die methodischen Prämissen einer Wissenschaft an und in Bildern. Warburgs humanistisch motivierte Renaissanceforschung und Benjamins marxistisch informiertes Stück Geschichtsphilosophie des neunzehnten Jahrhunderts, die Bildersammlung eines Kunsthistorikers und die Exzerpt- und Aphorismensammlung eines Philosophen zeigen nämlich eine auffällige Parallele: Beide bemühen sich um eine neue Form der anschaulichen Geschichtsdarstellung. Während Warburg im Mnemosyne-Atlas die Geistesgeschichte der Neuzeit anhand ihrer bildlichen Symbole sichtbar machen will, fasst Benjamin Bauten, soziale Typen und andere kulturelle Phänomene des 19. Jahrhunderts als "dialektische Bilder".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.07.2004
Hocherfreut und überaus angeregt hat Ulrich Raulff die Studie von Cornelia Zumbusch zugeklappt, die ihm eine ganz neue Perspektive auf das Verhältnis des Denkens "der beiden bedeutendsten deutsch-jüdischen Hermeneuten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts", Aby Warburg und Walter Benjamin, eröffnet hat. Zum Dank schenkt er der Autorin folgenden hübschen Satz: "Mit nie ermüdender Geduld entwickelt sie die verwickelten Begriffsnetze, in denen Benjamin und Warburg das scheue Wild der historischen Intuition einfingen." Die Begriffsnetze einer "Wissenschaft in Bildern", wohlgemerkt - beide wollten eine "Wissenschaft nach dem Beispiel der Kunst" formieren. Und indem sie Warburg und Benjamin als Ikonologen parallel liest, so Raulff, verschiebt Zumbusch auch die traditionelle wissenschaftshistorische Gewichtung der intellektuellen Pfunde: Es geht hier um Benjamin via Warburg, um des letzteren Einfluss auf die Lehren des anderen. Der genaue Vergleich setzt dreifach an: bei der "Gegenwart des Archaischen" in den Werken beider, bei Warburgs Ausdruckskunde und Benjamins Physiognomik" und schließlich bei "Warburgs Lehre vom Symbol und Benjamins Allegorie der Moderne". All das, so der Rezensent, ist wahnsinnig spannend und wird dafür sorgen, "dass Cornelia Zumbuschs dichte, konzentrierte Studie zu den wenigen Arbeiten gehören wird, die in der Warburg-Forschung Epoche machen".
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