Die Visualisierung von Gehirnprozessen hat in der Geschichte der Hirnforschung regelmäßig große Erwartungen geweckt. Cornelius Borck stellt mit der Registrierung elektrischer Hirnströme eine Aufzeichnungstechnik ins Zentrum seiner Untersuchung, mit der sich seinerzeit die Hoffnung verknüpfte, das Gehirn in seiner eigenen Sprache schreiben zu lassen und so seine Funktionsweise lesbar zu machen. Er verfolgt die vielfach widersprüchlichen Deutungen zur Elektroenzephalographie von den Versuchen des deutschen Psychiaters Hans Berger und seiner Veröffentlichung eines menschlichen EEG im Jahr 1929 bis zu ihrer internationalen Ausbreitung und Konsolidierung als klinische Diagnosemethode in der Mitte des 20sten Jahrhunderts. Borcks These lautet, daß die Schrift des Gehirns in lokalen Forschungskulturen je spezifische Konturen annahm, aus deren Widerstreit ein neues wissenschaftliches Objekt, das elektrische Gehirn hervortrat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.06.2005
Mit großem kulturwissenschaftlichen Besteck macht sich der Rezensent Bernhard Dotzler ans Objekt seiner Begeisterung. Er will auch nicht den leisesten Zweifel aufkommen lassen, dass hier weit mehr als eine simple "lineare Erfolgsgeschichte" von einem Wissenschaftler und seiner Erfindung des EEG vorliegt. Der Autor stelle vielmehr die Erfindung des Direktors der neuropsychiatrischen Klinik in Jena, Hans Berger, in einen breiten sowohl wissenschaftshistorischen als auch kulturgeschichtlichen Kontext. Zum Beispiel würde am Krankheitsbild der Epilepsie deutlich gemacht, wie sehr die Forschung nach einer "Visualisierung von Gehirnprozessen" von kulturellen Werte der Zeit beeinflusst war, und wie umgekehrt auch die kulturelle Definition von Krankheit und Gesundheit durch ein wissenschaftliches Messinstrument verändert wurde. Besonders interessiert zeigt sich der Rezensent an Bergers Korrespondenz mit Laien über das EEG. Hier finde der Leser der "Kulturgeschichte des EEG" aufschlussreiche und unterhaltsame Fundstücke zur Mentalitätsforschung.
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