Cristina Henríquez

Der große Riss

Roman
Cover: Der große Riss
Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN 9783446282513
Gebunden, 416 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Maximilian Murmann. Als um 1900 ein Kanal gebaut wird, der Atlantik und Pazifik verbindet, treffen in Panama die unterschiedlichsten Menschen aufeinander: Arbeiter aus der Karibik, amerikanische Journalisten, aber auch Malaria-Ärzte und Wahrsagerinnen. Viele sehnen sich nach einem neuen Leben. So auch Ada und der Fischerssohn Omar, die sich ineinander verlieben. Doch wie nah beieinander stehen Fortschritt und Ausbeutung? Und welche Rolle spielen Frauen bei dieser Unternehmung? Ein tiefer Riss geht durch die Gesellschaft, die getrennt ist durch Geschlecht, Hautfarbe und Status.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.03.2025

Rezensent Klaus Ehringfeld bespricht begeistert Cristina Henríquez' Roman über den Bau des Panamakanals - eine Geschichte über die koloniale Ausbeutung Panamas durch die USA. Im Zentrum stehen Ada aus Barbados und Omar aus Panama, zwei Jugendliche, deren Wege sich am Kanal kreuzen und an denen die Autorin die historischen Umstände plastisch darstellt, resümiert der Kritiker. Henríquez beleuchtet das Schicksal der Arbeiter, die unter unmenschlichen Bedingungen schuften mussten, während die USA mit ihrem Projekt zur Weltmacht aufstiegen. Sie beschreibt auch, wie die US-Amerikaner ihre Gesellschaftskonzepte - zum Beispiel Rassentrennung - importierten, die den Menschen vor Ort aber fremd blieben. Das Buch verbindet historische Fakten mit lebendigen Charakteren, es ist nicht nur "durchweg lehrreich", sondern auch unterhaltend und "emphatisch", freut sich der Kritiker, einige kleine Dinge stören aber: "The Great Divide" hätte besser mit "Kluft" oder "Trennung" wiedergegeben werden sollen statt mit dem Wort "Riss". Auch hätte der Kritiker gerne mehr über die Bekämpfung von Malaria während des Kanalbaus gelesen, wie er abschließend anmerkt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 11.03.2025

Insgesamt positiv bespricht Rezensent Eberhard Falcke Christina Henríquez' Buch über den Bau des Panamakanals, der hier konsequent aus der Perspektive derjenigen dargestellt wird, die die materielle Arbeit leisten. Darunter sind die Figuren Ada, eine Siebzehnjährige, die Geld für ihre Familie verdienen muss und Omar, ein Fischersohn, der beim Bau knochenharte Arbeit zu bewältigen hat. Gut stellt die Autorin laut Falcke dar, wie sich der Bau auf zahlreiche einzelne Menschenleben auswirkt. Die sozialen Härten, die das Projekt mit sich bringt, kommen allerdings nur nebenbei vor, meint Falcke, und die machtpolitischen Dimensionen des Kanals fallen ganz unter den Tisch. Damit scheint der Rezensent nicht ganz einverstanden zu sein, dennoch zeigt er sich insgesamt überzeugt von der nuancierten Figurenpsychologie und dem Abwechslungsreichtum dieses multiperspektivisch erzählten Romans.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.03.2025

Rezensent Matthias Kolb empfiehlt Trump die Lektüre von Cristina Henriquez' Roman über den Panama-Kanal und dessen (Vor-)Geschichte als probates Mittel gegen weitere Fake News aus dem Vogelmund des Präsidenten. Welche Träume, Sehnsüchte und vor allem welches Leid der Bau des Kanals bei den Menschen auslöste, stellt die Autorin laut Kolb aus der Perspektive einiger Zeitgenossen aus Panama dar. Für Kolb eine spannende, vielschichtige und historisch lehrreiche Geschichte. Wie dramatisch sich das Projekt entwickelte und wie es Trennungen vertiefte, spiegelt der Originaltitel des vor gut einem Jahr in den USA erschienenen Romans besser, findet Kolb: "The Great Divide".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.02.2025

Cristina Henríquez' Roman erzählt die Schicksale der Menschen rund um den Bau des Panamakanals, schreibt die Rezensentin Katharina Döbler. Während der Kanal für die USA eine "nützliche Verbindung" war, bedeutete er für den Südamerika eine brutale Teilung des Kontinents, erfahren wir. Henríquez schildert dies aus der Perspektive Betroffener: die junge Ada aus Barbados sucht Arbeit, ein Fischer verzweifelt an der Kollaboration seines Sohnes mit den Yankees. Rassistische Segregation prägt das Leben in der Kanalzone, wo der Fortschritt für einige Wohlstand, für andere Tod und Verlust bedeutet. Nicht ganz einverstanden ist Döbler mit der Übersetzung von Maximilian Murmann, wenn zum Beispiel aus dem Englischen "Divide" im Deutschen "Riss" wird. Abschließend lobt Döbler das Buch jedoch  als "kenntnisreiches Epos voller Empathie".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.02.2025

Gut recherchiert und informativ findet Rezensent Thomas Wagner den Roman von Cristina Henríquez über den Bau des Panama-Kanals. Prägnant gelingt es der Autorin, soziale Dynamiken, den Rassismus der amerikanischen Siedler gegenüber den Einheimischen und die prekären Lebensumstände der Arbeiter darzustellen, die aufgrund der harten Bedingungen und schlechten Verdienste häufig zu Alkohol und Drogen greifen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die sechzehnjährige Ada Bunting, die hofft in Panama Arbeit zu finden, ein Fischhändlerehepaar und der Malaria-Arzt John Oswald, der versucht, die unter den Arbeitern verbreitete Krankheit auszurotten, erklärt Wagner. Die Stärken des Buches liegen darin, die gesellschaftlichen "Zwänge" klar zu machen, denen die Figuren unterliegen, auch das Macht- und Reichtumsgefälle zwischen den Siedlern und der panamaischen Bevölkerung wird deutlich, allerdings gelingt es Henríquez nicht ganz, diese sprachlich im Denken und Fühlen ihrer Charaktere auszudrücken. Zudem stören die häufig gesetzten Rückblenden die Erzähldynamik, bemängelt Wagner, der ihren Roman daher nur literarisch "streckenweise" überzeugend findet.

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