Bücherbrief

Dann wieder schillerballadenhaft

10.03.2025. Lachen kann man nicht mehr über die Horrorclowns der Gegenwart, da sind die Kritiker für etwas positiven Irrsinn dankbar.  Und auch der Perlentaucher ist in Feierlaune - schließlich wird er 25! Er zieht sich einen Jakob Hein durch, der mit viel Witz Cannabis in der DDR vertickt. Mit Marion Poschmann setzt er seine fabelhafte Befreiungsbewegung fort: "Der Tiger schaut zurück. / Gelassen, / sehr gelassen". Als Downer empfiehlt er Zach Williams, der in seinen Short Stories ein düsteres Bild von Amerika skizziert. Und Volker Weiß, der erklärt, wie die extreme Rechte Geschichte verdreht.
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Weitere Anregungen finden Sie in in der Lyrikkolumne "Tagtigall", dem "Fotolot", in der Kolumne "Vorworte", in unseren Büchern der Saison, den Notizen zu den jüngsten Literaturbeilagen und in den älteren Bücherbriefen.


Literatur

Jakob Hein
Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste
Roman
Galiani Verlag. 256 Seiten. 23 Euro

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Lachen kann man nicht mehr über die Horrorclowns der Gegenwart, da sind die Kritiker für etwas positiven Irrsinn dankbar. Und der wird ihnen von Jakob Hein, Schriftsteller und Psychiater, reichlich geboten: Sein Held Grischa, ein junger Mitarbeiter der Staatlichen Planungskommission in Ostberlin, macht sich im Jahr 1982 Gedanken, wie man die marode DDR sanieren könnte. Er kommt auf die Idee, den Cannabis-Handel mit dem kriegsgeschundenen Bruderland Afghanistan anzukurbeln, um dieses dann als "Medizinalhanf" in die BRD zu verkaufen. Nicht nur Elke Schlinsog amüsiert sich im Dlf Kultur prächtig über Heins Einfälle, etwa wenn er eine deutsche Planungsgruppe nach Kabul schickt, die vor Ort mit Hingabe den Stoff testet, oder wenn er beschreibt, wie Westhippies die Mauer stürmen, um ans Ost-Cannabis zu gelangen. Auch Zeit-Rezensentin Ingeborg Harms folgt gern dieser Schwejk-Figur, die eine hübsch schräge Perspektive auf die DDR wirft. Der Roman hat vielleicht nicht ganz die Spritzigkeit eines Billy Wilder, räumt Lothar Müller in der SZ ein: Aber wie Hein den historisch verbürgten Milliardendeal zwischen Strauß und Schalck-Golodkowski auch noch mit einer Lovestory garniert, findet er ziemlich gekonnt. Und in der FAZ staunt Rose-Maria Gropp, wie nahe sie hier den innerdeutschen Verhältnissen kommt.


Zach Williams
Es werden schöne Tage kommen
Stories
dtv. 272 Seiten. 24 Euro

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Barack Obama empfahl Zach Williams Short Stories auf seiner Sommer-Leseliste - und die deutschen Kritiker sind von diesem außergewöhnlichen Debüt so begeistert wie die amerikanischen . Vom Titel darf man sich zwar nicht irreführen lassen, wie Welt-Kritiker Richard Kämmerlings warnt, denn "schön" ist hier eigentlich nichts. Im Gegenteil schickt Williams seine Helden in surreale Parallel- oder Unterwelten, in denen die Figuren einen Ausweg aus ihrem Alltagsleben suchen - oft vergeblich. Für Kämmerlings erweist sich der Autor als Meister darin, scheinbar Alltägliches subtil ins Bedrohliche kippen zu lassen. Williams fokussiert dabei vornehmlich auf weiße, heterosexuelle Männer. Auf die Frage, ob man das überhaupt noch darf, antwortet Angela Schader im Perlentaucher-Vorwort: Wenn man es so vielschichtig und eigenwillig angeht, dann auf jeden Fall. "Latente Ängste" und "versteckte Verrücktheiten" schlummern hier in jeder Zeile - das wird Zeit-Kritiker Eberhard Rathgeb schon in der ersten Geschichte deutlich, in der einem Zweijährigen ganz plötzlich ein zusätzlicher Zeh wächst. Williams knüpft hier an die Tradition der amerikanischen Short Story à la Edgar Allan Poe an, schafft aber etwas ganz Individuelles, findet Rathgeb, den außerdem die "dichte Atmosphäre" und "malerische Kompositionen" faszinieren.

Cristina Henriquez
Der große Riss
Roman
Carl Hanser Verlag. 416 Seiten. 26 Euro

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Eine der vielen Absurditäten, die sich Trump in den Kopf gesetzt hat, ist die gebührenfreie Nutzung des Panamakanals - andernfalls, so die Drohung, werde er den Kanal wieder unter die Kontrolle der USA bringen. Aktueller kann ein historischer Roman also kaum sein: Christina Henriquez erzählt in ihrem Roman die (Vor-)Geschichte des Kanalbaus und die Schicksale der Menschen, die daran beteiligt waren: Darunter Arbeiter aus der Karibik, amerikanische Journalisten, aber auch Malaria-Ärzte und Wahrsagerinnen. So begleiten wir etwa die junge arbeitsuchende Ada aus Barbados oder einen Fischer, der an der Kollaboration seines Sohnes mit den Yankees verzweifelt. Dlf-Kultur-Kritikerin Katharina Döbler erfährt in diesem "kenntnisreichen Epos voller Empathie" nicht nur, dass der Bau für Südamerika eine brutale Teilung des Kontinents bedeutete, während er für die USA eine "nützliche Verbindung" war. Sie liest auch von rassistischer Segregation, Tod und Verlust auf der einen, Fortschritt und Wohlstand auf der anderen Seite. Der NZZ-Rezensent Thomas Wagner lobt die gute Recherche der amerikanischen Autorin, die ihm soziale Dynamiken der am Bau Beteiligten prägnant darlegt. Literarisch überzeugt ihn der Roman allerdings nur "streckenweise". Als spannendes, vielschichtiges und historisch lehrreiches Mittel gegen Fake News legt uns Matthias Kolb den Roman in der SZ ans Herz.

Marion Poschmann
Die Winterschwimmerin
Verslegende
Suhrkamp Verlag. 80 Seiten. 22 Euro

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Der Februar war auch ein starker lyrischer Monat: Marion Poschmann legt mit der "Winterschwimmerin" eine "Verslegende" in neun Kapiteln vor. Die Leser gehen an der Seite von Ich-Erzählerin Thekla Eisbaden und tauchen ab in klare Gewässer - mit dem Ziel, dem Verhältnis von Leib und Seele, Natur und Geist auf den Grund zu gehen, wie uns der Klappentext verrät. Was für eine "fabelhafte Befreiungsbewegung", ruft FR-Rezensentin Judith von Sternburg über diesen die Entgrenzung feiernden Text: Schließlich taucht während einer tibetanischen Meditation Paulas, der zweiten Heldin der Legende, auch noch ein Tiger auf, der bald real wird und auf Paula trifft: "Sie sieht ihn an. Der Tiger schaut zurück. / Gelassen, / sehr gelassen, nur ein Stück / hebt er die Pranke, legt sie auf ihr Knie, / die Krallen sorgsam eingezogen." Die sprachliche Bandbreite, mitunter "knittelig, dann wieder schillerballadenhaft", ist erstaunlich, meint Sternburg, die im Nachwort gelesen hat, dass sich Poschmann unter anderem auf eine Novelle Goethes und die apokryphe Schrift "Akten des Paulus und der Thekla" stützt. Mutig findet der FAZ-Rezensent Tilman Spreckelsen die Versform, die ihn beim lauten Vorlesen noch mehr begeistert: eine "beglückend aufregende Lektüre", schwärmt er. Hingewiesen sei auch auf Andreas Unterwegers unter dem Titel "Haus ohne Türen" (bestellen) erschienene lyrische Miniaturen über Liebe, Verlust und Tod, deren Expressivität und Zwiespältigkeit Björn Hayer im Dlf Kultur bewundert. "Modellversuche" neuen Erzählens erkennt der Dlf-Kultur-Kritiker Matthias Kniep indes in Sebastian Schmidts Gedichtband "abtauchen, egal".

Anne Enright
Vogelkind
Roman
Penguin Verlag. 304 Seiten. 24 Euro

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Von der Dichterin zum Dichter: Der ist in diesem Fall schon tot, bildet aber das Zentrum von Anne Enrights neuem Roman: Jener Phil war als Lyriker genial, als Mensch, der seine Familie verließ, mindestens problematisch. In ihrem Generationenroman verknüpft die irische Schriftstellerin nun dessen Perspektive mit der seiner Tochter Carmel und der Enkelin Nell, dabei überlagern und unterscheiden sich Erinnerungen und Erlebtes meist. Dlf-Kritiker Uli Hufen staunt über den "irischen Zaubertrick" Enrights, die Themen wie Familientraumata, Gewalt und festgefahrene kulturelle Mythen Irlands mit lakonischem Humor verbinde. Zudem bewundert er die klugen und "empfindsamen, aber nie idealisierten Frauen", die Enright porträtiert. Dass die Männer hier selten gut wegkommen, amüsiert die durch den Roman gleitende FR-Rezensentin Sylvia Staude. Dennoch zeichne Enright keine Figur eindimensional, im Gegenteil: Besonders beeindruckt Staude die Kunst der Autorin, jeden Erzählstrang in einem eigenen, treffenden Ton zu gestalten - "famos" ins Deutsche übertragen von Eva Bonné. Enrights lyrische Einsprengsel gefallen der Kritikerin ebenfalls sehr.


Sachbuch

Volker Weiß
Das Deutsche Demokratische Reich
Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört
Klett-Cotta Verlag. 288 Seiten. 25 Euro

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Alice Weidel behauptete kürzlich, Hitler sei Kommunist gewesen - nicht die erste hanebüchene Behauptung aus dem rechtsextremen Lager. Wie die extreme Rechte die Geschichte verdreht, um Deutungshoheit im kulturellen und politischen Diskurs zu erlangen, seziert der Historiker und Rechtsextremismus-Experte Volker Weiß in seinem neuen Buch. Dabei widmet er sich nicht nur der Umdeutung des Nationalsozialismus zur linken Bewegung, sondern auch rechter Russophilie und westfeindlicher Ostalgie. taz-Rezensent Ulrich Gutmair lobt den großen Kenntnisreichtum und die Differenziertheit, mit der Weiß die rechte Geschichtsklitterung auseinandernimmt. Deutlich wird für den Kritiker dabei, wie nah sich AfDler, Putin und Trump dabei stehen; allen voran bei der Umschreibung und Neuinterpretation bekannter Begriffen - ein Verfahren, das "ironischerweise" einst als linksrevolutionäre Dekonstruktion von Macht galt und mittlerweile von der "Gegenrevolution" angeeignet wurde, wie Gutmair bei Weiß liest. Auch Ronen Steinke findet es in der SZ höchst aufschlussreich, wie Weiß zeigt, dass rechte Vordenker genau wissen, wie sie mithilfe kulturell wirksamer Erzählungen die politische Stimmung zu ihren Gunsten beeinflussen können. Im Dlf lobt auch Niels Schniederjahn die Sorgfalt des Autors, nur hätte er sich noch gewünscht, dass Weiß sich auf die Suche nach Gründen macht, warum so viele den Rechten anheimfallen.

Walburga Hülk
Victor Hugo
Jahrhundertmensch
Matthes und Seitz. 500 Seiten. 38 Euro

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2025 jährt sich Victor Hugos Todestag zum 140. Mal, nicht zwingend ein großes Jubiläumsjahr, aber doch ein guter Anlass für die erste deutsche Biografie über den Franzosen. Geschrieben hat sie die Romanistin Walburga Hülk, überzeugt hat sie alle Kritiker: Den Welt-Rezensenten Tilman Krause erinnert ihre Hugo-Biografie daran, dass Hugo ein Gigant ist, den es wiederzuentdecken lohnt. Hülk erscheint ihm als die geeignete Biografin, erweist sie sich doch als Kennerin nicht nur des Werks, sondern auch des 19. Jahrhunderts und der französischen Kulturgeschichte. Spannend und gut strukturiert findet Krause das Buch, Hugo, sein Werk und seine Zeit treten "gestochen scharf" daraus hervor, versichert er. Nur, dass die Autorin ihren Hugo ein wenig zu sehr liebt und verehrt, bemängelt er: So übersehe sie mitunter seine weihevolle, unfreiwillig komische Seite. Der Band mag durchaus maßlos sein, das stört den Dlf Kultur-Rezensenten Hans von Trotha allerdings wenig: Atemlos eilt er mit Hülk und Hugo durch die Epoche der Romantik liest von Triumphen und Niederlagen des Tausendsassas, der nicht nur Schriftsteller, sondern auch Jurist, Politiker und Verleger war, und lernt allerhand über dessen Verständnis von Recht und Gerechtigkeit. Mehr als jeder andere Schriftsteller in Frankreich wurde Hugo ein halbes Jahrhundert vor Zolas "J'accuse" zum "Ideal des modernen Intellektuellen", schreibt Alain Claude Sulzer, der in der NZZ vor allem Hülks Werkbeschreibungen lobt: "durchweg Kleinode analytischer Erzählkunst".

Steffen Dobbert, Ulrich Thiele
Nord Stream
Wie Deutschland Putins Krieg bezahlt
Klett-Cotta Verlag. 400 Seiten. 18 Euro

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Die Journalisten Steffen Dobbert (Zeit) und Ulrich Theile (Business Insider) machen dort weiter, wo Reinhard Bingener und Markus Wehner mit ihrem Buch "Moskau-Connection" angefangen hatten. Sie recherchieren über Nord Stream - und fördern, so scheint es, weitere bestürzende Details über das Ausmaß der Korrumpierung deutscher Politik durch russische Interessen zutage. Das Buch erzählt, wie die SPD - unter tätiger Beihilfe vieler Politiker anderer Parteien - maßgeblich Deutschland für Wladimir Putin schön machten - bis hin zum Verkauf der größten deutschen Gaslager an Gazprom, die dann pünktlich zu Kriegsbeginn halb leer waren. Man wusste ja schon vieles von dem, was die Autoren erzählen, schreibt SZ-Rezensent Nicolas Freund, aber in der thrillerartigen, detaillierten Darstellung der beiden Journalisten wird das volle Ausmaß der Skandale um das Projekt zumindest annähernd sichtbar. Die Autoren zeigen auf, wie eng die mecklenburgische Landesregierung mit Gazprom zusammenarbeitete, während Russland gleichzeitig der Donbas annektierted und Oppositionspolitiker ermordet wurden, ohne dass es die verstrickten deutschen Politiker im mindesten juckte. Gerade dass diese erschreckenden Gleichzeitigkeiten herausgearbeitet werden, macht das Buch für Gerstenberg so lesenswert. Ein Untersuchungsausschuss im Bundestag wäre längst fällig, so die Rezensenten. In der ARD-Mediathek findet sich ein halbstündiges Interview mit den beiden Autoren.

Markus Frenzel
China Leaks
Pekings geheimes Netzwerk in Deutschland
C.H. Beck Verlag, München 2024
Kartoniert, 379 Seiten, 20,00 EUR

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Wie die Arbeit chinesischer "Einflussagenten" in Deutschland aussieht, schildert der Investigativ-Journalist Marcus Frenzel in seinem neuen Buch. "Ein Einflussagent ist kein klassischer Spion, der mit geheimdienstlichen Methoden Informationen beschafft. Stattdessen befeuert er gezielt Stimmungen, die im Interesse der Kommunistischen Partei Chinas liegen", erklärt Frenzel im Interview mit Table-Media. Zwei Jahre lang hat er recherchiert, wie China gezielt Beziehungen in Deutschland knüpft und Narrative der Kommunistischen Partei verbreitet, erzählt Rezensent Steffen Wurzel im Dlf: Ein zentraler Punkt seiner Analyse ist die sogenannte "Einheitsfront", ein Netzwerk von Personen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, das im Sinne der KP Chinas agiere. Frenzel stützt sich auf eine inoffizielle Liste mit rund 50 Namen, darunter Unternehmer, Restaurantbesitzer und ehemalige Politiker, lesen wir. Besonders umstritten ist die Rolle deutscher Politiker wie Rudolf Scharping und Hans-Peter Friedrich, die als Brückenbauer nach China fungieren. Stellenweise zwar ein wenig undifferenziert, trotzdem spannend und faktenreich, urteilt Wurzel. Aufrütteln sollte auch das Buch von Leon Erlenhorst und Arndt Freytag von Loringhoven, die in ihrem Buch "Putins Angriff auf Deutschland" (bestellen) die Gefahren der hybriden Kriegsführung durch Russland beschreiben: Die Autoren zeichnen nach, wie der Kreml mit seinen Unterstützernetzwerken alles unternimmt, um den Westen zu spalten, erklärt beeindruckt SZ-Kritiker Christoph Koopmann. Auch NZZ-Kritiker Jörg Himmelreich ist alarmiert: Gerade Deutschland sei eine "offene Flanke" für Russland, was sich auch daran erkennen lasse, dass neben AfD und BSW auch etablierte Parteien wie die SPD mittlerweile russische "Desinformationsaussagen" übernähmen.

Natalie Haynes
Goddesses
Die Macht der griechischen Göttinnen - Mut, Verlangen, Leidenschaft
dtv. 352 Seiten. 18 Euro

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Der FAZ-Kritik von Uwe Walter kann man doch nur folgen, wenn er schreibt, Natalie Haynes' Werk sei eine leidenschaftliche Einladung, die klassischen Mythen mit neuen Augen zu sehen: Klug, humorvoll und "unwiderstehlich". Mit viel Sprachgewandtheit und philologischer Präzision, verknüpft mit persönlichen Einsichten und humorvollen Popkultur-Referenzen haucht die britische Schriftstellerin und Komikerin Haynes den griechischen Göttinnen neues Leben ein, staunt der Kritiker: Indem sie komplexe Mythen frisch und modern erzählt, ohne deren Tiefe zu ignorieren. In jedem Kapitel widmet sich die Autorin einer Göttin wie Hera, Aphrodite oder Athene und zeigt ihre Stärken, Schwächen und die patriarchalen Strukturen, die sie überwanden oder ertrugen, so Walter. Besonders lobt er, wie Haynes das Göttliche mit dem Alltäglichen verbindet. Auch die originellen Analysen und pointierten Kommentare, etwa über die 'Venus pudica' oder Ovids Rat an die göttliche Läuferin Atalante, "vor der Benutzung durch einen Ehemann" wegzulaufen, faszinieren den Kritiker. Im TLS freut sich Ellie Mackin Roberts, dass Haynes den Göttinnen, denen in der männlich dominierten Aufzeichnung der antiken griechischen Mythologie meist nur Nebenrollen zugedacht waren, in ihrem Text mit Schärfe und Detailreichtum Hauptrollen zuweist.

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