Die Amerika-Essays, die der polnische Nobelpreisträger Czeslaw Milosz vor fast 40 Jahren veröffentlichte und die nun erstmals auf deutsch erscheinen, haben nichts an Frische eingebüßt. Zehn Jahre, nachdem sich der aus dem Osten stammende Autor ganz im Westen der westlichen Welt, bei San Francisco, niedergelassen hatte, schrieb er ein sehr persönliches Buch, eine Reise zu sich selbst: "Wenn man nirgendwohin zurückkehren kann, muss man das Gegebene akzeptieren. Doch wie soll man damit zurechtkommen? Wie soll man es sich aneignen? Und dabei geht es nicht so sehr um Amerika, sondern um die Zivilisation des zwanzigsten Jahrhunderts in ihrer kalifornischen Spielart."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.12.2008
Verständnisvoll milde urteilt Andreas Dorschel über dieses Buch von Czeslaw Milosz. Dass der Band bei ihm dennoch durchfällt, liegt zum einen daran, dass die 33 Essays über Amerika allzu sehr den Erwartungen entsprechen: Der Vergleich zwischen der europäischen Heimat und der amerikanischen Westküste fällt natürlich kritisch aus zu Lasten letzterer. Zum anderen gelingt es dem Autor laut Dorschel nicht, seine "unwidersprechlichen" Visionen zu sich dem Leser öffnenden Beobachtungen aufzuwerten. So erscheinen Milosz' Vorwürfe gegen einen anämischen, menschenfeindlichen Kontinent dem Rezensenten so blutleer wie ihr Gegenstand und als "Artikel nostalgischen Kunstgewerbes". Da hilft auch keine Dialektik.
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