Aus dem Amerikanischen von Arnd Kösling. An der Schwelle zum 21. Jahrhundert fordert der Dalai Lama in seinem neuen Buch nicht weniger als eine geistig-moralische Revolution ein. Auf seinen zahlreichen Reisen rund um den Globus stieß er vor allem in den reichen Industrieländern des Westens auf ein Phänomen, das ihn veranlaßte, dieses Buch zu schreiben: Trotz des Wohlstands dort sind die Menschen mit ihrem Leben unzufrieden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.04.2000
Friedrich Wilhelm Graf kann diese neue Heilslehre nicht überzeugen. Er stellt fest, dass der Dalai Lama sich nicht mit der Begründung seiner Ethik aufhält, die er in seinem "Buch der Menschlichkeit" darlegt. In der "großen Moralpredigt" seien tibetanische Begriffe eingeführt, die sich nur eingeschränkt in moderne Sprachen übersetzen ließen und außerdem tendierten die hier dargelegten Argumentationen zum Zirkelhaften. Den Versuch des Dalai Lama, die christliche Religion mit dem Buddhismus zusammenzudenken, findet Graf problematisch, da seine neue Ethik am "unaufhebbaren Gegensatz zum okzidentalen Rationalismus" scheitern müsse. Seinen Aufruf, sich von der westlichen Egozentrik abzuwenden, habe der Dalai Lama selbst nicht befolgt, wie Graf konstatiert: "Fortwährend spricht er von sich in pronocierter Ich-Rede". Damit entsteht für Graf der Verdacht, dass der Dalai Lama sich selbst aus seiner Ethik ausnehmen und einen Sonderstatus für sich beanspruchen will.
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