Übersetzt von Tina Hohl.Joe Bonham kommt zu sich. Nur langsam klären sich die Gedanken des 20-Jährigen und er realisiert, dass er in einem Krankenhaus liegt. Seine Erinnerungen kehren zurück. Erinnerungen an die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs, einen Granateneinschlag, die Familie, die Liebe, die Zeit vor dem Krieg. Und nun liegt er in diesem Krankenhaus. Wo? Er weiß es nicht. Doch er wird es erfahren. Er wird erfahren, was der Krieg aus ihm gemacht hat. Er wird aufbegehren, sich aufbäumen, kämpfen. Sein Verstand ist lebendig und wütend, aber sein Körper ist tot. Niemand kann den wachen Verstand in diesem Körper erkennen, nur er. Und Johnny schreit. Dalton Trumbos pazifistisches Manifest gegen den Krieg erschien erstmals am 3. September 1939, zwei Tage nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen. In den USA wurde das Buch mehrfach und vor allem während des Vietnamkrieges in mehreren Staaten zensiert oder gar verboten. Die Neuübersetzung bringt den Roman ins 21. Jahrhundert. Unterstützt werden dieWorte Trumbos durch die Illustrationen von Felix Gephart.
Der Zumutung dieses erstmals 1939 erschienenen Textes von Dalton Trumbo liefert Jan Scheper sich aus und stellt fest: Der Bewusstseinsstrom eines im Krieg Totalversehrten, der weder hören noch sprechen noch sehen kann und sämtliche Gliedmaßen verloren hat, ist ein echter Antikriegsklassiker, der in seiner sprachlichen Radikalität an die Gedichte August Stramms erinnert. Die Stärke des Textes liegt für Scheper gerade in der Unvorstellbarkeit der dargestellten Isolation, die den Leser zwingt, sich der Figur zu nähern. Tina Hohls Neuübersetzung und Felix Gepharts Illustrationen findet Scheper überzeugend.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2013
Dalton Trumbos "Und Johnny zog in den Krieg" hat Martin Zähringer sichtlich beeindruckt. Er würdigt das Buch als "Klassiker der Anti-Kriegs-Literatur", der jetzt in einer exzellenten neuen Übersetzung von Tino Hohl wiederentdeckt werden kann. Trumbos Buch, erstmals 1939 in den USA erschienen und 1941 verboten, ist für ihn eine schmerzhafte Satire auf den Ersten Weltkrieg, ein Lehrstück über den Krieg, ein Plädoyer gegen den Hurra-Patriotismus. Erzählt wird die Geschichte eines schwerst versehrten - gehörlosen, sprachlosen, bewegungslosen - Soldaten, der nur noch ein Torso ist, und zwar aus der Perspektive dieses Soldaten, dessen Isolation von der Außenwelt zu einem gesteigerten Erleben im Inneren führt. Wie Trumbo dies erzähltechnisch inszeniert, scheint Zähringer sensationell und zugleich tief erschütternd. Sein Fazit: ein Werk von ungeheurer ästhetischer Wucht und zugleich ein eindrucksvolles Dokument des Pazifismus.
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