Aus dem Amerikanischen von Gerson Reuter. Daniel C. Dennett lässt die maßgeblichen Debatten um den Status des Bewusstseins Revue passieren, liefert raffinierte Dekonstruktionen einiger der berühmtesten philosophischen Gedankenexperimente zu diesem Thema, fordert Gegenspieler wie John Searle oder David Chalmers zum Duell und entzaubert Stück für Stück diese Traumwelt als Resultat eines bornierten Festhaltens an realitätsfernen Intuitionen, an Träumen eben, die die Erforschung des Bewusstseins nicht befördern, sondern sie im Gegenteil behindern.
Rezensent Michael Pauen hatte durchaus intellektuelles Vergnügen am neuen Buch des umstrittenen Philosophen Daniel Dennett, das er als "zeitgemäße, zuweilen provokative" naturalistischen Theorie des Bewusstseins beschreibt. Hundertprozentig zufrieden war er trotzdem nicht, weil Dennett aus seiner Sicht in einer zentralen Frage den Beweis schuldig bleibt. Aber auch sonst hat der Autor dem Rezensenten seine Dialektik Subjekt-Bewusstsein nicht immer schlüssig nachvollziehbar gemacht, weshalb der ihm bei seinem ambitionierten Versuch, das Bewusstsein ausschließlich naturalistisch zu erklären, nicht immer folgen kann und mag. Zwar stellt Pauen nebenbei befriedigt fest, dass Dennett auf manche Extravaganzen in seinem Diskurs verzichtet hat. Dennets "Tendenz zum Selbstzitat" fällt ihm dafür wieder eher unangenehm auf.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.05.2007
Zumindest als Liebhaber des klassischen Streitgesprächs schätzt Rezensent Willy Hochkeppel den amerikanischen Philosophen. Die hier versammelten Vorträge Daniel C. Dennetts glänzen aus Sicht des Rezensenten durch "ausgeklügelte" Argumente und empirische Forschungsbefunde, mit denen Dennett alle Theorien bekämpfe, die im Bewusstsein mehr als nur physikalische Faktoren sehen. Wie La Mettrie, erklärt uns der Rezensent, möchte auch Dennett den Menschen strikt mechanistisch von außen erklären. Leider greife er dabei wie seine Gegner auch zu reinen Behauptungsbegründungen, etwa bei dem berühmten Beispiel von RoboMary, die als Farbexpertin zum ersten Mal eine Farbe in Form einer roten Tomate sieht. Nach Daniel C. Dennett hat sie, die ja schon neurophysiologisch alles über Farben wisse, dadurch kein neues Farberlebnis. Insgesamt hält der Rezensent Dennetts Kampf als selbst ernannter "dünner Materialist" für ehrenvoll, gewissermaßen als Medikation gegen die üblichen Mystifikationen des Bewusstseins. Sein "Fortschrittsoptimismus" sei gleichwohl seinerseits ein wenig angekränkelt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2007
Etwas skeptisch betrachtet Rezensent Uwe Justus Wenzel diesen Band mit Aufsätzen über die Erforschung des Bewusstseins von Daniel C. Dennett. Die dezidiert kämpferische Haltung des Wissenschaftsphilosophen scheint ihm bisweilen übertrieben. Er versteht sie als Reaktion auf das in den USA herrschende "religiöse Treibhausklima". Fraglich bleibt für ihn aber, ob die Aufrüstung zur "Weltanschauung" der Wissenschaft dienlich ist. Die Überzeugung des Autors, das Phänomen des Bewusstseins sei rein naturalistisch-materialistisch restlos zu erklären, teilt er nicht. Dennetts an bizarren Gedankenexperimenten reiche Angriffe auf die traditionelle Bewusstseinsphilosophie überzeugen ihn letztlich nicht. Eine umfassende, empirisch verifizierbare Theorie findet er hier nicht: die "dürren Linien einer möglichen - funktionalistischen - Theorie, die Dennett skizziert", kritisiert Wenzel, "wird man nicht schon als die nötige Aufklärung akzeptieren wollen".
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