David Cronenberg

Verzehrt

Roman
Cover: Verzehrt
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014
ISBN 9783100102331
Gebunden, 400 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Tobias Schneider. Naomi ist Journalistin, Nathan Fotograf - immer unterwegs, ist das Paar meist getrennt, aber stets per Facebook verbunden. Sie sind die perfekten Globetrotter. Naomi recherchiert in Paris ein sonderbares Verbrechen. Nathan fotografiert in einer Budapester Spezialklinik eine riskante Operation. Das Abgründige zieht sie an, stürzt die beiden in eine leidenschaftliche Amour fou im freien Fall.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.10.2014

Vor allem den Fans, die von den letzten Filmen des Kunsthorror-Regisseurs David Cronenberg enttäuscht waren, gibt Rezensentin Cristina Nord das Signal zum Aufatmen: Was diesen Filmen an transgressiven und viszeralen Motiven fehlte, kehrt nun geballt im späten Romandebüt des 71-jährigen Kanadiers zurück, erklärt sie: Da versprechen sich Menschen Lustgewinn von Selbst-Amputationen, andere verzehren kleine Bissen des eigenen Fleisches, wieder andere wagen Experimente mit ihrem Körper und Maschinen, erfahren wir von Nord. Ganz und gar hervorragend findet sie, wie es dem Regisseur - ganz im Einklang mit seinemfilmischen Werk - gelingt, die psychisch und körperlich beschädigte Welt seiner Figuren nicht bloß als Defizit, sondern als Potenzial zur Lustgewinnung in neuen, originellen Konfigurationen zu betrachten. So nimmt dieses Buch zuweilen den Charakter einer "Poetologie zu Cronenbergs Oeuvre" an, freut sich Cristina Nord, die dieses Buch damit nur wärmstens empfehlen kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.10.2014

Mit siebzig Jahren legt Filmemacher David Cronenberg seinen ersten Roman vor und nach der Lektüre von "Verzehrt" ist Rezensent Fritz Göttler schlichtweg hingerissen. Als "großen Briefroman" im Zeitalter der Vernetzung würdigt der Kritiker Cronenbergs Werk, das ihn in eine Welt totaler Perzeption entführt, in der technische Instrumente als Organe funktionieren. Er folgt hier dem Reporter-Paar Nathan und Naomi, die meist getrennt durch die Welt reisen und in der Regel in die Intimzone der von ihnen observierten Personen eindringen: In das Leben des Philosophen-Paares Celestine und Aristide etwa, die in die Schlagzeilen geraten, als Celestine verstümmelt gefunden, Aristide eines kannibalischen Aktes bezichtigt wird und Naomi zu recherchieren beginnt. Göttler liest hier einen grandiosen und faszinierenden Roman über Identität, körperliche Transformation, Traum und Wirklichkeit, taucht in die französische Philosophenszene der letzten Jahrzehnte ein und fühlt sich während der Lektüre an "Gefährliche Liebschaften" erinnert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2014

Rezensentin Swantje Karich kann nur hoffen, dass David Cronenberg weiter Filme macht und nach seinem Debüt als Romanautor nicht nur noch Bücher wie dieses schreibt. Für die Rezensentin illustriert das Buch die Unterschiede zwischen Film und Literatur, zwischen Skript und Roman. Denn der Horror wird hier nur behauptet, erklärt sie, und nicht erzählt. Kurz der Gedanke bei Karich, der Autor könnte hier etwas geschaffen haben, was in seiner Inkommensurabilität irgendwie zukunftsweisend sein könnte. Doch der Gedanke ist wirklich nicht von Dauer. Zu aufgesetzt wirken Figuren, Themen und Motive. Was bleibt, ist "Softpornhorror" plus viel Technik, meint die Rezensentin. Und die Hoffnung, dass der Text als Film funktioniert.
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