David Grossman

Wohin du mich führst

Roman. (Ab 14 Jahre)
Cover: Wohin du mich führst
Carl Hanser Verlag, München 2001
ISBN 9783446200210
Gebunden, 437 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling. Ein Ferienjob wird für Assaf zur Herausforderung seines Lebens: Mit einem herrenlosen Hund jagt er durch Jerusalem und soll die Person finden, der das Tier entlaufen ist. Fremde Orte und Personen, zu denen ihn der Hund führt, erzählen ihm nach und nach die Geschichte über Tamar, die Hundebesitzerin. Das Mädchen scheint in großer Gefahr zu sein. Assaf setzt alles daran, Tamar zu finden ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2002

Zu großen Lobeshymen inspiriert dieses israelische Jugendbuch, das nach Christina Thurners Meinung sowohl die jugendlichen als auch die erwachsenen Leser ernst nimmt, die Rezensentin: sie nennt das Buch einen "formvollendet höchsten Lesegenuss". Auch bei einer detaillierteren Analyse kommt sie aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. Sowohl die gekonnte und schlüssige Verknüpfung von persönlichen mit gesellschaftlichen Problemen als auch die stimmige Dramaturgie imponiert der Autorin. Besondere Stärken des Autors entdeckt sie im Inhaltlichen: "Nichts ist bei Grossmann vereinfacht, nichts anbiedernd und nichts beschönigt." Am Schluss fühlt Thurner sich von der Handlung so gefesselt, dass sie nicht wiederstehen kann, "die vielen ausgelegten Handlungsfäden noch weiterzuspinnen".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.05.2001

Nicht weniger als eine "Gebrauchsanleitung für den Umgang mit Menschen, die einem nahe stehen" sieht Gisela Dachs in diesem Buch, eine Geschichte für "große Kinder und Erwachsene zugleich", einen Roman über Geschwisterliebe, Familienbande und Freundschaften. Und findet Dachs das Sprunghafte der Geschichte (wenns plötzlich kriminell wird etwa) auch "ein bisschen überzogen", die Gefühlswelten der beiden Teenagerhelden, vom Autor "zum Anfassen freigeschaufelt", erklärt sie, sorgten für Spannung. Die von Dachs mit mütterlichem Überschwang begrüßten "Babygerüche", denen der Autor in seiner Detailtreue nachspürt, sind indessen vielleicht nicht jedermanns Sache, nicht uneingeschränkt wenigstens, so authentisch sie sein mögen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.05.2001

Zählt ein Buch, das einen Siebzehnjährigen zur Hauptfigur hat, automatisch zur Jugendliteratur, fragt sich Kurt Kreiler anlässlich von David Grossmans "Wohin du mich führst"? Ist der Roman darum für Erwachsene weniger ernst zu nehmen oder weniger anspruchsvoll, fragt er weiter. In jedem Fall ist dies nach Kreiler ein Roman aus Israel für Jugendliche und auch für Erwachsene, die dem nicht einfachen Weg des Erwachsenwerdens nachspüren wollen. Ein Junge und ein Mädchen, durch einen verschwundenen Hund zunächst nicht wissentlich miteinander verbunden, sind die beiden Hauptfiguren des Romans, erzählt Kreiler, zwei jugendliche Außenseiter und Ausreißer auf den Straßen Jerusalems. Grossman sei nicht nur ein realistischer Schriftsteller, sondern auch ein Mythomane, meint der Rezensent, der sich nicht sicher ist, ob Grossman nicht eher ein modernes Großstadt-Märchen geschrieben hat - jedenfalls gut genug, um der Welt der Erwachsenen und Literaturkritiker zu trotzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001

Gemischt fällt das Urteil der Rezensentin Elisabeth Bauschmid über David Grossmans Geschichte aus dem modernen Jerusalem aus. Sie findet den Protagonisten überzeugend beschrieben, und ihr gefällt, dass Jerusalem hier als moderne Großstadt porträtiert wird, die die üblichen Probleme für Jugendliche bereithält, z.B. Drogen, die auch in diesem Roman eine Rolle spielen. Nicht sehr authentisch findet sie es allerdings, dass die 16-Jährigen Hauptpersonen ausgerechnet in der Musik der Beatles ihr Lebensgefühl ausgedrückt finden. Und auch, dass Grossmanns anstrengende "Erzähltechnik der Rückblenden und Vorgriffe" manchen jugendlichen Leser schnell entmutigen könnte, fürchtet sie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.03.2001

Fritz Wolf überschüttet diesen Roman, in dem es sowohl um die Liebe Tamars zu ihrem Bruder Schaj, dem sie durch den Drogenentzug hilft als auch um die Liebesgeschichte zwischen ihr und Assaf geht, mit Lob. Der israelische Autor verstehe es glänzend, Spannung zu erzeugen und seine Geschichte "temporeich" zu erzählen, rühmt ihn der Rezensent, der auch einige "höchst emotionale, anrührende Szenen" preist. Ihm haben es nicht nur die "wunderbaren episodenhaften" Nebenfiguren angetan, sondern besonders die Hauptfiguren überzeugen ihn durch die genaue Charakterzeichnung und die tiefe Kenntnis, die Grossmann von ihnen hat, so dass er nicht "an ihnen herum tricksen" muss. Dass er dabei seinen Lesern nichts "erspart", trägt ihm die uneingeschränkte Bewunderung des Rezensenten ein.

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