Aus dem Hebräischen von Ulrike Harnisch. Das Lebensgefühl eines jungen Mannes in Israel - Freundschaft und Einsamkeit, Liebe und Verantwortung, Verlust und Tod: In kunstvollen Rückblenden erzählt Nir Baram von Jonathans Jugend in einem Stadtviertel von Jerusalem. Von der Freundschaft zu Joël, dem Rätselhaften und Gefährdeten, vom Fight mit den Kindern aus den hohen Türmen, vom Wettstreit um das attraktivste Mädchen und der ersten Lust. Aber auch von den Konflikten in der Familie, dem bewunderten und gehassten älteren Bruder, der schweren Krankheit der Mutter und deren Tod. Der autobiografisch grundierte Roman beschreibt das Erwachen eines jungen Mannes, der inzwischen selbst Vater und ein erfolgreicher Schriftsteller ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2020
Rezensentin Miryam Schellbach kann sich der Begeisterung der israelischen Presse über den Erfolgsautor Nir Baram nicht ganz anschließen, ist aber doch berührt von seinem neuen Roman, der, weniger politisch als sein Vorgänger, vom Verblassen einer innigen Freundschaft zwischen zwei jungen Männern erzählt. Die langsame Entfremdung während des Erwachsenwerdens und die Zerstörung einer auch homoerotischen Zuneigung durch toxische Männlichkeitsideale sind zwar nichts Neues, meint Schellbach, und Barams "romantisches Urbild" der Jugendfreundschaft scheint ihr wenig subtil. Trotzdem ist sie beeindruckt von der "Intensität des nachsommerlich-resignativen Schmerzes", der besonders im hebräischen Originaltitel anklingt, schließt sie.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.03.2020
Sigrid Brinkmann bewundert, wie Nir Baram eigene prägende Verlusterfahrungen in seinem Roman verarbeitet. Vor allem die Genauigkeit und der Feinsinn,mit denen er über Freundschaft, Familie, Schuldgefühle und Schreibkrisen schreibt, findet die Rezensentin bemerkenswert. Indem der Autor vieles im Text nur anreißt, verstärkt er laut Brinkmann die hervorgerufenen Gefühle. Die Geschichte einer "familiären Emanzipation", der Lossagung eines Mannes von dem geliebten Bruder, hat die Rezensentin sichtlich berührt.
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