Wie konnten christlich sozialisierte Soldaten der Wehrmacht den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion vor Gott rechtfertigen? Welche Strategien entwickelten sie, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten? Gab es christliche Motive, die das massenhafte Morden legitimierten? Anhand zahlreicher Feldpostbriefe und Tagebücher deutscher Soldaten aus allen Abschnitten der Ostfront von 1941 bis 1944 kann David Schmiedel eindrucksvoll zeigen, wie christliche Vorstellungen und nationalsozialistische Propaganda - nicht zuletzt durch die tätige Mitwirkung der Feldgeistlichen - in den Hirnen und Herzen der Truppenangehörigen verschmolzen. Sein Buch leistet somit einen wesentlichen Beitrag zum tieferen Verständnis der Kriegsgesellschaft des "Dritten Reichs".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2018
Christian Hartmann ist nicht zufrieden mit David Schmiedels Versuch, das Tun und Denken der Wehrmachtssoldaten im Zweiten Weltkrieg zu schildern und zu analysieren. Zwar schätzt er die zusammengetragenen Quellen, die die ethische Dimension des Tuns der Soldaten aufzeigen, den Zwiespalt zwischen christlichen Überzeugungen und NS-Ideologie. Der gesamte militärische Komplex des Themas aber scheint dem Autor fremd geblieben zu sein, vermutet Hartmann. Das zeigt sich für ihn an terminologischer Unsicherheit wie an militärhistorischen Defiziten im analytischen Teil. Die Quellen, meint Hartmann, erzählten oft ganz andere Geschichten und gäben ein vielschichtigeres, heterogeneres Bild als der Autor.
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