Am Samstag wird abgerechnet
Kriminalroman

Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN
9783498003715
Gebunden, 560 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner und Felix Mayer. In einem verlassenen Alpendorf wird ein Filmproduzent und Bruder eines ehemaligen Democrazia-Cristiana-Politikers tot in seinem Jaguar aufgefunden. Seine Frau, eine frühere Schauspielerin, in die eine ganze Generation verliebt war, ist spurlos verschwunden. Für die Ermittlungen muss sich Commissario Arcadipane, eigentlich Turiner, in dem einsamen Bergdorf, das aus einer Handvoll Häusern besteht, niederlassen. Dort warten misstrauische Bewohner und ein Rätsel auf ihn, das ihm Kopfzerbrechen bereitet. Ein zu komplizierter Fall, um nicht seinen alten Freund und Mentor Corso Bramard um Hilfe zu bitten sowie die ebenso undisziplinierte wie unverzichtbare Isa Mancini. Beide befinden sich gerade in einer schwierigen Phase ihres Lebens. Möchten sie gemeinsam die Wahrheit ans Licht bringen, wird es nötig sein, in alten Geheimnissen und neuen Machenschaften zu wühlen und ein komplexes Geflecht aus politischen Intrigen zu entwirren. Und am Samstag wird abgerechnet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2024
Geduld sollte man mitbringen für dieses Buch, meint Rezensent Hannes Hintermeier, aber wenn man es tut, kann man mit ihm viel Lesefreude haben. Es handelt sich um das vierte Buch Davide Longos um das Ermittlerduo Bramard und Arcadipane, die es diesmal in ein 37-Seelen-Nest im Piemont verschlägt. Der Tote ist der Ehemann einer einst bekannten Schauspielerin, lesen wir, die für ihre mysteriösen Blicke bekannt war und nun ihrerseits verschwunden ist. Um diesen Fall herum konstruiert Longo, berichtet Hintermeier, jede Menge weitere Mysterien, die unter anderem mit heidnischen Fruchtbarkeitsriten und französischen Fortsetzungsromanen zu tun haben, zudem gestaltet sich auch das Privatleben Arcadipanes nicht unkompliziert. Das hier ist keine Spannungsliteratur angelsächsischen Zuschnitts, stellt der Rezensent klar, Cliffhanger etwa finden sich keine im Buch, vielmehr setzt der Autor auf Melancholie und auch auf ein bisschen Pathos, insgesamt gelingen ihm dabei eindrückliche Figurenporträts. Hintermeiers Fazit: nicht quick and dirty, sondern gediegen und komplex, wer auf so etwas steht, wird mit dem Buch glücklich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.08.2024
Auch der vierte Band um den Commissario Vincenzo Arcadipane aus Turin kann Rezensent Fritz Göttler überzeugen. Es geht hier vorangig um die "Leiden" der ermittelnden Kommissare, so Göttler, ihre nicht aufgearbeiteten Traumata, ihre privaten Miseren - die Frauen kommen bei Longo besser klar. Der Commissario wird mit seinem Team in die Berge Piemonts geschickt, resümiert der Rezensent, wo ein berühmter Filmproduzent erwürgt wurde. Seine Frau, der ehemalige Filmstar Anna Mattalia, ist verschwunden. Longo entwirft eine Welt, die den Rezensenten an die großen Stummfilme beispielsweise eines Fritz Lang erinnert, mit "größenwahnsinnigen Verbrechern" und "geschlossenen Schauplätzen", wie einer Heilanstalt oder dem Landhaus eines schwulen Regisseurs. Dazu spielen Politik und Kirche eine gewichtige Rolle in der Aufklärung des Falles, die der Rezensent mit Spannung verfolgt zu haben scheint.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 12.08.2024
Von der Storyline her ist dieser Krimi von Davide Longo zunächst mal ziemlich vorhersehbar, räumt Rezensent Thomas Wörtche ein, dafür sei der Mord an einem Filmproduzenten und seiner Schauspieler-Frau erzählerisch meisterhaft gestaltet: Der Erzähler schildert die beiden Ermittler Arcadipane und Bramard als "bizarre Gestalten", schaut ihnen in den Kopf und gibt zusätzlich die eigenen Gedanken zum Besten, so der Kritiker. Trotzdem wird den Leserinnen und Lesern genügend Freiraum gelassen, sich selbst Dinge zusammenzureimen, betont Wörtche, der darüber hinaus die kreativen Metaphern und auch die Komik des Textes lobt.