Aus dem amerikanischen Englisch von Elke Link und Sabine Roth. Die neun Geschichten dieses Erzählbands umspannen vier Generationen schwarzer Frauen und Mädchen, die für ihren Platz in der Welt kämpfen, die mit dem moralischen Korsett hadern, in das sie gesteckt wurden, die wenigstens für kurze Zeit ihren Leidenschaften folgen und nach Freiheit streben. Da ist die vierzehnjährige Jael, die sich in die Frau des Priesters verliebt; Lyra, deren Unwohlsein im eigenen Körper zwischen ihr und ihrer neuen Liebe steht; da sind Rhonda und Leelee, die aus dem Süden an die Kalte Norostküste entflohen sind, um der sozialen Kälte der Heimat zu entfliehen; da sind die trauernden Fremden, die sich in den dunklen Schatten des Hospizparkplatzes Trost spenden. Sie alle leben ein zweites Leben im Verborgenen, haben Affären, sind verführerisch und verletzlich, mutig und ängstlich.
Rezensentin Julia Schröder staunt über die "lichte Erzählfreude", mit der Deesha Philyaw mit 50 Jahren ihr Debüt vorlegt. Der Erzählband dreht sich um die Lebenserfahrung Schwarzer Frauen, und dabei geht es alles andere als gemütlich zu, wie Schröder zusammenfasst: im Süden der USA, wo die Geschichten spielen, tummeln sich selbstfixierte Mütter, sündigende Pastoren und übergriffige Väter. Wie die Autorin dabei mit den verschiedensten Erzählformen und -mustern spielt und jeder Story ihren eigenen Tonfall und kraftvolle, "sinnliche Erfahrung" verleiht, liest die Kritikerin gerne. Nur manchmal sind ihr Gut und Böse etwas zu eindeutig verteilt und die Auftritte großer Gefühle etwas zu kitschig. Insgesamt aber ein genau beobachtendes "Spektrum weiblicher Schwarzer Lebenserfahrung", das keinen Bogen um das N-Wort schlägt, und das die Kritikerin als "furchtlos und schön" bezeichnet.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.06.2022
Rezensentin Irene Binal hält die Erzählungen von Deesha Philyaw über Frauenpower im kirchlichen Umfeld für ein eindrückliches Debüt. Elegant und kraftvoll zugleich erscheint ihr diese Prosa über Sex und Kirche, Freiheitswünsche und Unterdrückung, über lesbische Frauen und fremdgehende Männer zwischen Moralkodex und Sehnsucht. Auch wenn die neun autobiografisch geprägten, mal frechen, mal eher nachdenklichen Texte das Verhältnis afroamerikanischer Frauen zur Kirche ausloten, geht es in ihnen laut Binal nicht um Hautfarbe und Rassismus sondern um das universelle Streben nach Glück.
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