Aus dem Französischen von Bettina Bach. Queens, 13. März 1964: Um 3.15 Uhr stellt die 28-jährige Kitty Genovese, die von ihrer Schicht als Kellnerin nach Hause kommt, ihren Wagen in der Nähe ihres Apartments ab. Als sie aus dem Auto steigt, nähert sich ihr ein Mann. Dieser Mann ist Winston Moseley, der mit seiner Frau und zwei Kindern ebenfalls in Queens lebt. Winston Moseley arbeitet als Bürokraft, hat -keine Schulden, ist nicht vorbestraft und bisher nie auffällig geworden. Trotzdem erregt etwas an der Art, wie er sich Kitty Genovese nähert, deren Misstrauen. Sie versucht, eine Notrufsäule zu erreichen, wird jedoch von Moseley eingeholt und auf offener Straße niedergestochen. Über einen Zeitraum von einer halben Stunde wird Kitty Genovese von Winston Moseley vergewaltigt, schwer verletzt und am Ende ermordet während mindestens 38 Zeugen ihre Schreie hören und aus erleuchteten Fenstern heraus das Geschehen beobachten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2012
Die 1964 ermordete Kitty Genovese ist aus dem bitteren Umstand heraus in die Kriminalgeschichte eingegangen, dass ihr niemand geholfen hat, während sie eine halbe Stunde lang vergewaltigt und zu Tode gestochen wurde. Dabei haben mindestens 38 Frauen und Männer von der Tat etwas mitbekommen. Seitdem spricht man vom Bystander-Effekt oder Genovese-Syndrom. Der Franzose Didier Decoin rekonstruiert rein dokumentarisch das Geschehen und den anschließenden Prozess aufgrund überlieferter Aussagen, und so sehr dass den Rezensenten Thomas Leuchtenmüller auch beeindruckt, so enttäuscht ist er letzten Endes, dass Decoin damit die Chance vergibt, wirklich zu vermitteln, was in denen vorging, die nicht halfen. Dann doch lieber gleich einen Roman, der zumindest einen Anflug von Erklärung wagt.
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